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groß, die Wirkfelder derart weit, die Wirkbeziehungen derart verwickelt, daß man fühlt: Auf der bisherigen Linie werden wir der Probleme nicht mehr Herr. Eine Einsicht dringt durch, die sich, entsprechend bezogen, auch auf den anderen kulturellen Sachgebieten ankündigt: Mit bloß politischen Mitteln sind die politischen Probleme nicht zu lösen. *1 Wir müssen tiefer greifen: Ein neuer Einsatz schaffender Kraft muß geschehen. Die Dinge müssen neu gesehen, aus wesenhafterer Messung beurteilt, von einer freieren, griff-fähigeren Kraft geformt werden. Das heißt: Wir müssen aus den sachlichen, politischen Problemfeldern zum lebendigen Menschen durchstoßen. Ursprüngliche Menschenkraft muß frei gemacht werden, damit die festgefrorenen Sachprobleme wieder flüssig werden. Das Streben nach politischer Bildung bedeutet also im tiefsten Grunde ein Suchen nach dem zu politischem Handeln fähigen Menschen. Bedeutet die Bemühung, im lebendigen Menschen die nötigen Haltungen, Maßstäbe und Kräfte zu wecken. Das politische Leben enthält zwei Seiten, denen beiden Gerechtigkeit geschehen muß. Einmal jene, die der ethische und pädagogische Idealismus leicht zu übersehen geneigt ist, nämlich die nüchterne Tatsache, daß das politische Leben einfach Kampf ist; elementarer Kampf um das Dasein. Nur daß sich dieser Kampf in geordneten - oft nur sehr mangelhaft und sehr äußerlich geordneten! - Formen abspielt. Wenn in einer gewissen ideologischen Nichtachtung von einer bestimmten Art Politik als "Interessenpolitik" gesprochen wird, so trifft das ja in der Sache zu. Allein der Ton verrät, daß vergessen wird, wie diese angeblich verachtungswürdige "Interessenvertretung" in Wahrheit zum ehrlichen Wesen unserer politischen Existenz *1 Allgemein gefaßt: Die Probleme der verschiedenen kulturellen Sachgebiete sind aus diesen allein nicht zu lösen, sondern bedürfen der Beziehung auf einander; der Beziehung auf eine Einheit des Kulturellen. Und die Probleme des Sachlichkulturellen, der objektiven Kultur überhaupt sind aus der Sache allein nicht zu lösen, sondern bedürfen der Beziehung auf den lebendigen Menschen. | ||
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