![]() | Treffernummer: |
< | Seite 129 | > |
starb, und nun ein heiliger Schimmer rührenden Heldentums über ihm liegt. Als man die heilige Agnes gefangen fortführen wollte, war sie so jung und schmal, daß die kleinsten Fesseln ihr von den Händen fielen. Die unschuldigen Kinder aber haben ja nicht einmal gehabt, was diese hatte und was doch zum eigentlichen Menschendasein gehört, Bewußtsein von sich selbst, fühlendes Herz und eigenes Wollen! Sie haben ja noch gar nicht glauben können; nicht Gott lieben, nicht mit dem schwächsten Stammeln Gott anrufen! Und doch feiert sie die Kirche. Das ist wohl seltsam. In den Heiligen verkörpern sich die Geheimnisse Gottes. In diesem die Klarheit seiner Erkenntnis; in jenem die Glut seiner Liebe; im dritten seine Stärke; wieder in anderen sein Reichtum, oder seine Lieblichkeit, oder seine Reinheit, oder welche Gottesherrlichkeit sonst. Auch in den heiligen Kindern wird ein Geheimnis Gottes offenbar. Die Menschen glauben alles Mögliche zu leisten und zu tun; aber im Letzten sind nicht sie es, die tun, sondern Gott. Sie strengen sich an, sie ringen, sie opfern, aber alles Eigentliche daran ist Geschenk, Schöpfung von Gott her, Seine Gabe; denn alles eigene Tun liegt ja erst innerhalb des Geschenkten, selbst in seiner Wurzel schon Gottes Geschenk. Aber das vergessen wir und meinen, selbst zu sein, zu können, zu leisten. Und nun stehen da Wesen, deren ganzes Sein spricht: »Nichts aus uns!« So verkünden sie in einer letzten Reinheit das Geheimnis der Gnade. Sie haben nicht gekämpft, nicht geschaffen, nicht geopfert, nicht gestrebt, nicht gelitten. Sie haben nicht geglaubt, nicht geliebt. Sie haben nicht einmal fühlen, nicht einmal denken können. Ihre ganze Existenz ist nur da. Sie sind in das Leben eingetreten, in die Nähe des Christuskindes gekommen. Von dieser Knospe Gottes her ist Reich Gottes in ihnen aufgeblüht; als jenes Geheimnis, das Er im Menschenwesen vor allem eigenen Wählen und Tun wirkt, als reine Gnade. Und bevor sie dessen auch nur inne werden, auch nur Dank sagen konnten, wurden sie weggenommen. | ||
< | Seite 129 | > |