Romano Guardini Online Konkordanz
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biologische und psychologische Spannungen getragen ist, mit der Regelmäßigkeit eines Lebensrhythmus wiederkehrt und einen ebenso grausamen wie unbefangenen Charakter hat. Richten wir unseren Blick gleich auf jene Epoche, die wir als erste Quelle unserer Kultur empfinden, die Antike.
Natürlich wirken in einem so umfassenden Vorgang viele Momente zusammen. Einmal die ohne weiteres erkennbaren Impulse, die zu Konflikten führen, wie der Drang nach Auswirkung der Kräfte, der Trieb nach Macht, das Verlangen nach Besitz. Dazu kommen, je nach Volk und Zeit, Motive besonderer Art: etwa die Leidenschaft des griechischen Menschen, sich mit den Anderen zu messen, wodurch der Agon zu einem Element seines ganzen Daseins wird; oder das Bewußtsein des Römers, das Leben der Völker in einem universellen, auf dem Recht aufgebauten Staate formen zu sollen. Hinter diesen Motiven stehen aber noch solche religiöser Art. Nach früherer Vorstellung hat jeder Stamm seine Gottheiten. Sie geben ihm Leben und Macht und empfangen ihrerseits Leben und Macht von ihm. Sie bilden den Geheimniskern seines unmittelbaren Daseins; seine Reduplikation gleichsam im Bereich des Göttlichen. Die Vorstellung vergeistigt sich wohl mit der Zeit, wirkt aber immer weiter. Nach ihr sind es letztlich die Götter selbst, die im Krieg miteinander ringen. So schildert denn auch Homer, der dem griechischen Bewußtsein seine erste Bestimmung gibt, das Geschehen vor Troja als einen Kampf, den, durch Menschen hindurch, Götter gegeneinander führen: Hera als die Wahrerin von Ehe und Herd mit ihren Freunden gegen Aphrodite als das Numen der Leidenschaft mit den ihren. Erst von hierher versteht man wohl den antiken Krieg. Er bricht aus, wenn die Götter ihre Wirksphären nicht mehr miteinander in Einklang bringen können - menschlich ausgedrückt, wenn das Leben ausweglos wird. Im Strömen des Blutes, im Brand der Städte zerbricht die zum Kerker gewordene Form; die Götter versöhnen sich, und das Leben hat wieder freie Bahn. Entspringt nicht aus dieser Wurzel jene tiefe Sympathie,

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