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Solche Metten sind ein vielfältiges Geschehen. Der einzelne darf sie nicht nehmen, als wäre er mit Gott allein, sondern er muß das Innere seiner Seele zu einem großen Raum ausweiten, in welchem all die Angesichter auftauchen, all die Stimmen sich erheben können. Er muß mehr schauend und lauschend sein als sprechend, damit das Drama sich in ihm begeben könne. Dann lebt er ein heiliges und mächtiges Leben mit. Da ist aber noch mehr, und ich will sehen, wie ich es sagen kann, denn es ist nicht leicht zu sagen. Wenn wir in unserem täglichen Leben erklären: »Der hat das getan« - dann meinen wir ihn und nicht einen andern. Und er befindet sich hier und nicht sonstwo; und lebt in diesem Augenblick, weder früher, noch später. Das ist die Sauberkeit des Daseins, das geschieden wird und entschieden: dieses und nicht jenes; hier und nicht dort; der und kein anderer. Es gibt aber Bedingungen, unter denen das aufgehoben ist, wenn nämlich über den Menschengeist das Pneuma, der Geist Gottes, kommt. Dann kann es sein, daß da ein König ist aus dem zehnten Jahrhundert vor Christus, der im Kampf mit gefährlichen Feinden steht und in seiner Not zu Gott ruft. Der da spricht, ist David; in ihm aber erhebt sich eine neue Gestalt. Vielleicht weiß er selbst gar nicht darum; oder er ahnt es bloß; oder es steht ihm auch deutlich im Bewußtsein - jedenfalls geschieht dann etwas wie im zweiten Psalm. Wenn es darin heißt: »Aufgestanden sind die Könige der Erde, und ihre Fürsten haben sich zusammengerottet wider den Herrn und wider Seinen Gesalbten« - so ist dieser Gesalbte zunächst jener, den Samuel im Auftrage Gottes zum König bestellt hat, David, der Sohn des Isai. Aber hinter ihm steht ein anderer: der »Gesalbte« von Wesen, gegen den sich die Mächte der Erde zusammengetan haben: Jesus, der Christus. Das ist Prophetie: daß die Scheidungen fallen; Gestalten und Zeiten und Geschehnisse sich ineinander erheben ... Oder der Prophet redet von seiner Stadt, die Gott so sehr geliebt hat, und die so furchtbar für ihre Sünden büßen muß, Jerusalem. Er redet aber so von ihr, daß hinter ihrem ersten Bilde sich ein anderes aufrichtet; | ||
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