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um den Entwurf einer solchen handeln – und damit wollen wir ohne weitere Einleitungen mit der Sache beginnen. Begegnung und Gestaltung Ein künstlerisch – sagen wir genauer: ein malerisch Begabter begegnet einem Gegenstand der äußeren Wirklichkeit: einem Baum, einem Tier, einer Menschengestalt. Er fühlt sich berührt – berührt durch die besondere Eigenschaft seiner Linien, Farben und Bewegungen, nicht nur etwas zu sein, sondern auch etwas zu sagen; durch die Fähigkeit der Form, Wesen zu offenbaren. Sein Inneres kommt in eine eigentümliche Bewegung. Es wird offen und empfänglich; zugleich aber auch wach, gespannt und tatbereit. Der Zustand kann verschiedene Grade der Mächtigkeit haben, von der flüchtigen Schwingung bis zum leidenschaftlichen Erfaßt- und Beherrschtsein: immer eignet ihm die doppelte Eigenschaft der Empfänglichkeit und Tätigkeit zugleich. Es ist das, was Goethe meint, wenn er den Künstler mahnt, er solle „ein Organ aus sich machen“: ein Organ für die Wesenheit der Dinge und Geschehnisse, wie sie sich in deren Form ausdrücken. In diesem Zustande greift der Künstler nach dem, was da draußen ist. Nicht um es, wie ein Techniker, in den Dienst eines praktischen Zweckes zu stellen, sondern um es neu hervorzubringen. Wie aber das? Indem er es nachformt; mit dem Material, auf das sich seine Begabung bezieht – in unserem Falle also Malfläche und Farben – ein Gebilde hervorbringt, das dem Gegenstande draußen ähnlich sieht. „Ähnlich“ freilich innerhalb der Grenzen, welche durch die Natur besagten Materials gesteckt sind; so bietet z.B. die Leinwand der Gestaltung nur eine Fläche dar, während der wirkliche Baum als Körper im Raum steht. Ähnlich weiter innerhalb des besonderen Stilwillens, der die Zeit bestimmt; so sieht z.B. ein Maler der Renaissance den | ||
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