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gen und haben tief gegriffen – ich erinnere nur an die sozialen Umschichtungen und an alles das, was Technik heißt. Wenn ich daran denke, kommt mir der Versuch, hier Regeln aufstellen zu wollen, ganz fragwürdig vor; immerhin mag er helfen – sei es auch nur so, daß dem, der sie liest, klar wird, worin er anders empfindet. Vor allem ist eines nötig: daß man seine Sprache liebe. In ihr nicht nur das Mittel sehe, durch das man sich über Pläne und Besorgnisse verständigt, sondern etwas Lebendiges, Schönes und Verletzliches, das man in Ehren halten und pflegen muß. Ich habe einmal einen Ausspruch eines alten chinesischen Weisen gelesen – ich glaube, eines Kaisers –, der sagte, wenn die Worte gesund seien, sei der ganze Staat gesund. Ein wichtiger Satz, über den man schon genauer nachdenken muß, wenn man ihn verstehen will, und der Weg dazu ist wohl die Einsicht, daß die Sprache einfachhin der Mensch ist. Nun also: 1. Zuerst und vor allem: Mit jedem Wort soll etwas gesagt sein, etwas Bestimmtes. Die Rede soll kein Füllsel bringen, keine leeren Verzierungen, sondern in jedem Stück sauber gedachten Inhalt. Dann bekommt sie Charakter. 2. Noch einmal betont: Wenn man etwas mit fünf Worten sagen kann, soll man keine zehn aufwenden. Die gehäuften Worte verstärken nämlich das zu Sagende nicht, sondern schwächen es sogar. Aus „Worten“ werden dann bloße „Wörter“, die nicht reden, sondern klappern. 3. Das Positivum, die einfache Aussage, ist meistens stärker als die gesteigerte, der Superlativ. Mit der Steigerung beginnt meist der Unernst. Der Redende glaubt selbst nicht mehr ganz an das, was er sagt; zumindest empfindet er es nicht mehr. Deshalb haut er auf die Trommel und erreicht damit, daß der Hörende bzw. Lesende das Gesagte auch nicht mehr ernst nimmt. | ||
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