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in Gott begründeten Pflicht komme. Es ist umgekehrt. Aber es scheint mir paedagogisch wirkungsvoller erst zu zeigen »Du willst und darfst« dann erst »Du sollst das tun«. III. Die religiöse Predigt. 1) zuerst gewinnt sie (ebenso wie oben) die religiöse Idee, und sucht zugleich den ihr entsprechenden religiösen Zustand zu wecken, das Bedürfnis aufzurufen, sucht die entsprechenden Stimmungen zu erzeugen, 2) formuliert sie die Idee und deutet, klärt durch sie die geweckten religiösen Seelenregungen 3) dann entfaltet sie »kontemplativ«, betrachtend die relig. Wahrheit in ihrem religiösen Reichtum. Du siehst also, wie die »Kurve« läuft. Erst Induktion, dann Fixierung, Formulierung, dann Deduktion. Und diese Linie kann sich sowohl einmal durch die Predigt hinziehen, als auch öfters auf und absteigen. - Daß Du an den Predigten nichts kritisierst, ist mir gar nicht recht. Siehst Du denn die Fehler nicht? Ich sehe sie, oder manche von ihnen, ja auch, aber das wirkt nicht. Objektiviert im Urteil eines anderen Menschen hat die Erkenntnis auf Leute wie ich bin erst Einfluß. - Du sagst, Du könnest über all die Dinge, die Dich bewegen, nicht schreiben; gehts wirklich nicht? Trotzdem bin ich sehr sehr dafür, daß Du kommst. Ich habe großes Verlangen nach einer herzhaften Aussprache mit Dir. Auch daß Deine Freunde kommen, freut mich sehr. Willburger*129 schrieb mirs heute auch. Er sagte, wahrscheinlich würden am 13/14/15 Juli Herr und Frau Prof. Springer*130 und er selbst kommen. Wenn Du kommst, bleibst Du doch länger? P. Anselm*131 schrieb, daß am 21-29 Juli am besten für uns in Beuron Platz wäre. Evtl. könnte man, wenn alles sich schickt, zusammen nach Süddeutschland zurückfahren. - Ich hatte begonnen, die Charakterlehre*132 festzulegen, bin aber auf sehr große Schwierigkeiten gestoßen. Jetzt liegt sie wieder in actis. Die Gegensatzlehre*133 ist neu formuliert und etwas verbessert. Könntest Du sie in etwa 8-14 Tagen zurückschicken, falls ich sie Dir sendete? - Was Du mir über das schriebst, das ich Dir habe sein können, war eine Freude und eine Ermutigung für mich. Ich werde so oft an mir irre! Nur ist das alles kein Verdienst. (Du wirst mich verstehen, daß ich da keine Buchführungsmoral treibe!) Das was den innersten Wert gibt, fehlt. Ich 129 Vgl. Br. 11. 130 Nicht ermittelt. 131 P. Anselm Manser OSB (1876-1951), Bibliothekar der Erzabtei Beuron, befreundet u.a. mit Max Scheler und Martin Heidegger. 132 Vgl. Br. 1. 133 Vgl. Br. 2. | ||
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