Romano Guardini Online Konkordanz
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Er hat wohl um das zwanzigste Jahrhundert vor Christus gelebt; in einem Lande, dessen sehr hochstehende Kultur uns durch die neuesten Ausgrabungen von Ur in Chaldäa nahegekommen ist. Schon seine Eltern waren aus Ur ausgewandert, Kanaan zu; waren dann aber in der Stadt Charan geblieben und auch dort gestorben. In dieser Stadt traf Abraham - doch er heißt zuerst anders, Abram - der Anruf Gottes, wie es im zwölften Kapitel der Genesis berichtet ist: »Der Herr sprach zu Abram: Verlaß dein Land und deine Verwandtschaft und deines Vaters Haus, und zieh in das Land, das Ich dir zeigen werde. Denn Ich will dich zu einem großen Volke machen und will dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will die segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den will Ich auch verfluchen; und in dir sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.« [Gen 12,1-3]
Aus dem Lande, in dem er wohnt, aus Vaterhaus und Verwandtschaft ruft Gott diesen Mann heraus. Das ist nichts Kleines in einer Zeit, da der einzelne ganz in die Sippe eingebaut war. Dazu ist er bereits alt; fünfundsiebzig Jahre zählt er, wie der Ruf an ihn kommt. Das Außerordentlichste aber ist die Verheißung, auf die hin er hinausgerufen wird. Klingt es nicht wie ein Spott, daß er Stammvater eines großen Volkes werden soll? Er, der schon ein Greis und dessen Weib unfruchtbar ist? Abram aber glaubt und folgt.
Mehrmals erneuert Gott die Verheißung. Immer nur erst Verheißung, nicht Erfüllung. Das Glauben wird dadurch nicht leichter. Der Widerspruch des Verstandes, die Auflehnung des Herzens werden nur noch mehr herausgefordert. Die alternden Kräfte fühlen nun stärker die Zumutung und verlangen nach Ruhe. Abram aber glaubt.
Beim dritten Mal - Gen 15 - ist's Nacht, und Gott führt ihn hinaus aufs Feld. Wir müssen an Mesopotamien denken, das Geburtsland der Astronomie. Ganz rein ist die Luft. In unermeßlicher Zahl und Lichtgewalt füllen die Sterne den Raum, stürzen über den schauenden Menschen herein. Abram steht, allein, von Gottes Gegenwart erschüttert, schaut - da spricht

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