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läßt; der das Wasser von der Erde scheidet, die Erde von der Luft, die Luft vom Feuer, das Feuer von der Nacht; der die Leiber belebt und die Blätter macht, eins um das andere. Wir können das alles nicht; verlassen uns aber auf sein Schaffen, wie auf die Arbeit eines vollkommenen Handwerksmannes. Ich schaue und habe kein Verlangen zu verstehen, und so offenbart sich mir Gott. In der Hütte dieses Flickschusters tun meine Augen sich ebenso einfach auf, wie die des Hundes, der da sitzt. Nun sehe ich, sehe wirklich, was wenige sehen werden: das Bewußtsein der Dinge; zum Beispiel den Dienst der rauchigen Flamme da, ohne den der Hammer des Handwerkers kein Brot schaffen könnte. Die meiste Zeit hindurch rühren wir nur leichtfertig an die Dinge. Sie sind aber wie wir, leidend oder glücklich. Wenn ich unter den gesunden Ähren eine kranke Ähre bemerke und den fahlen Flecken auf ihren Körnern sehe, habe ich deutlich das Bewußtsein vom Schmerz dieses Dinges. Ich fühle in mir selbst das Leiden der Pflanzenzellen; empfinde, wie es ihnen an der angegriffenen Stelle schwer wird, zu wachsen, ohne daß eine die andere erdrückt. Dann kommt mir der Wunsch, mein Taschentuch zu zerreißen und die Ähre zu verbinden. Dann aber denke ich wieder, daß es keine erlaubte Hilfe wäre, einer einzigen Getreideähre so zu tun; daß es auch, menschlich gesprochen, töricht wäre, eine solche Kur zu versuchen - während man wohl nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn ich einen Vogel oder eine Zikade pflegen wollte. Dennoch weiß ich genau um das Leiden der Körner, denn ich fühle es. Eine schöne Rose hingegen teilt mir ihre Lebensfreude mit. Man fühlt, wie sie auf ihrem Stiel sehr glücklich ist; und wenn irgend ein Mensch sagt: »es wäre schade, sie abzuschneiden«, dann bestätigt er durch diese einfachen Worte die Lust der Blüte und fängt sie auf. | ||
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