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Wir wissen, lieber Freund, wie sehr, das zu erkennen, eine Frage nach Sein oder Nicht-Sein auch für jene Welt ist, auf die sich unsere Lebensarbeit bezieht, nämlich die Universität. Lassen Sie mich die Wünsche, welche dieser Band ausdrückt, noch einmal in persönlicher Weise aufs herzlichste wiederholen. Ihr Romano Guardini Erinnerung und Voraussicht Was im folgenden dargelegt werden soll, bildet ein Kapitel aus der Phänomenologie der menschlichen Grundakte, das besonders interessant scheint, weil es einen Blick in den Zusammenhang des personalen Lebens öffnet. Näherhin in diesen Zusammenhang, sofern er sich in der Zeit vollzieht – ja gerade in die Weise, wie die Zeit mit ihren Erstreckungen zum Element des menschlichen Lebens wird. So entsteht von hier aus ein eigentümliches Bild des menschlichen Daseins, das besonders dann bedeutungsvoll wird, wenn man letzteres im Charakter der Verantwortlichkeit sieht. I. Um das Phänomen der Erinnerung in der Fülle seiner Bedeutung vor die Augen zu bringen, soll es zuerst durch seine verschiedenen Sinnschichten hin verfolgt werden. In einem vorbereitenden Sinne kann von Gedächtnis schon bei der Pflanze gesprochen werden. Die Einflüsse des Lichtes, der Temperatur, des Windes, der Erdart, der Befeuchtung usw. bleiben als Faktoren im Gesamtsystem des betreffenden Pflanzenorganismus erhalten. Wenn ein Keimling in einer bestimmten Weise gepflegt wird, dann laufen die Wirkungen dieser Pflege durch seine ganze Entwicklung weiter. Bestimmte Bedingungen vorausgesetzt, werden sie sogar von einem Pflanzenindividuum | ||
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