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Puppenspiel [1924] Eine Zwischenbemerkung Vielleicht ists dem Leser gegangen wie mir, als ich Kleists geistvolles Schriftchen las: Manches war versunkene Zeit, und mit seiner Theologie konnte ich auch nichts Rechtes anfangen, die nur Kultursymbole sieht in dem, was doch wirkliches Ereignis ist. Und doch war mirs, als spreche einer aus dem Herzen unserer Zeit. Aus ihrem Verlangen "nach dem Menschen", und nach "Menschenbildung". Aber einer, der um mehr wußte, als unsere Zeit, nämlich um den Riß in uns, den all die "Rhythmiker" immer vergessen. Sind unsere Rhythmiker nicht zumeist naive Optimisten? Denen die Natur schlankweg gut ist, und jegliche harmonische Bildung möglich? Wer von ihnen gräbt tiefer, und sieht die innere Tragik? Eine Tragik, die vielleicht auch Kleist noch nicht tief genug gesehen, wenn anders die letzten Sätze mehr bedeuten sollen, als ein bloßer Einfall - oder weniger, als eine etwas skurrile Form, von der Heiligkeit zu sprechen! Aber sei es so oder so: Hier scheint der tragische Dichter unserer Zeit einen Ansatzpunkt zu geben, von dem aus sie zu einer "Kritik des lebendigen Menschen" kommen kann - ohne welche jegliche rhythmische Kultur im Letzten Wahn bleibt. Der Historiker: Lodovico Antonio Muratori Aber nicht nur der Dichter hat Freude und Weisheit bei den bunten Puppen gefunden. Vor einiger Zeit fiel mir in einer anspruchslosen italienischen Familienzeitschrift ein feines Schrieblein in die Hand. Ich will es - nicht genau übersetzen; das geht nicht, dafür ist es zu italienisch, aber frei hinübersetzen in die deutsche Sprache. | ||
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