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Deshalb bleibt der Priester stehen und besinnt sich und bereitet sich. Denn: »Bevor du betest, bereite dein Herz, und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht« [Sir 18,23]. 2. Gott selbst hat es auch schon so gemacht wie die Kirche, hat selbst denen ein »Halt« zugerufen, die ohne weiteres vor Ihn treten wollten. Da weidete einst am Berge Horeb Moses die Herden seines Schwiegervaters Jetro. Und wie er so stand und nachsann, sah er drüben einen Dornbusch, der brannte in hellen Flammen und verbrannte doch nicht. Und Moses sprach zu sich: »Ich will doch hingehen und sehen, was das ist.« Wie aber der Herr sah, daß er näher trat, rief Er ihm zu: »Tritt nicht näher heran! Zieh deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist geheiligter Boden!« Und Moses, bebend vor Furcht, verhüllte sein Gesicht und tat, wie der Herr ihn geheißen [Ex 3,1-6]. So tut auch die Kirche. Wie der Priester sich dem Altar nähert, spricht sie zu ihm: »Das ist geheiligter Boden, tritt nicht näher heran! Du willst mit Gott sprechen. Aber erst besinne dich. Denke nach, wer Gott ist und wer du bist. Frage dich, ob du würdig bist, Ihn anzureden. Bereite dein Herz und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht.« 3. Wer ist denn Gott? Gott ist der Reine, und wir sind Sünder. Gott ist ganz rein; ohne Sünde, ohne Unvollkommenheit, ohne den leisesten Hauch eines Fleckens. Soll sich da der Mensch nicht fürchten, mit Ihm zu reden? Vielleicht sind wir einmal auf einer Wanderung draußen im Winter an ein Feld frisch gefallenen Schnees gekommen. Da lag die Fläche so unberührt, so makellos rein vor uns, daß es einem innerlich ganz merkwürdig zumute wurde. Man scheute sich ordentlich, mit seinen schmutzigen Stiefeln in all die Reine zu treten - und ging lieber darum herum. Das war solch ein Hauch der Ehrfurcht vor dem, was rein ist. Oder wir hatten das Glück, einem jener seltenen Menschen zu begegnen, denen die Reinheit gleichsam zur Natur geworden | ||
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