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Nun ist, kurz vor Weihnachten, das Bild der Gottesmutter von Maria Eulenbruch hier aufgestellt worden. Darüber möchte ich ein Wort sagen. Als ich zum erstenmal in die Kapelle trat, und die gewaltige Gestalt mir förmlich entgegenfiel, habe ich zurückgezuckt. Vielleicht wird es manchem so gehen. Sie ist sehr herb; fast scheint sie hart. Manch einer wird dieses Bild nicht mit dem zusammenbringen können, was er seit Kindertagen von Maria, der Königin der Lieblichkeit und Mutter alles himmlischen Glanzes, in sich aufgenommen hat. Er wird sich dagegen auflehnen. Er wird denken, daß er dieses Bild nicht in sein Gebet hineinnehmen könne. So möchte ich gleich ein Wort vor sie halten, das sie schützt und offenen Weg wahrt zu ihr. Tritt ein Mensch aus eigenem Ursprung und eigener Mitte an uns heran, so berührt er uns wohl fremd. Wenn wir nun ein Urteil zwischen ihn und uns stellen, dann bleibt er uns verschlossen. Also müssen wir offen bleiben und aufmerksam sein. Eines Tages spricht's herüber, und wir verstehen. Von einem Werke aber gilt das Gleiche. Auch von diesem. Es ist aus lauterem Ursprung zu uns gekommen; wahr und lebendig es selbst. Nun wollen wir keine Mauer aufrichten zwischen ihm und uns. Wie ist sie arm, diese Mutter des Herrn, die da zu uns gekommen ist! Wenn man so schaut, läßt seine Blicke durch den klaren Raum gehen, über das reine Silber, an den verhaltenen Fenstern hin ... wie steht sie doch da! So arm! Wahrlich, sie kommt aus dem Herzen unserer Zeit. Ihr fühlt es doch, wie arm unsere Zeit ist? Arm im Herzen? Wer heute glaubensverlangend, glaubenswillig in ihr steht, dem ist zumute, als werde ihm Stück um Stück genommen. Habe, und Kleid, und Dach; Bilder, und Worte, und Heim. So viel zermahlt ihm die Zeit! Wohl ist sie groß. Riesenwerke schafft sie. Und doch - aber vielleicht müssen wir, tiefer verstehend, sagen: gerade weil sie so groß ist, werden wir in ihr geistlich so unsäglich arm. So ist sie wohl recht zu uns gekommen, diese Mutter Gottes, die nichts hat als | ||
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