![]() | Treffernummer: |
< | Seite 84 | > |
Wenn wir nun hören, der Mensch sei "Ebenbild Gottes", so legt sich der Gedanke nahe, damit sei auch ein Abglanz von der Übersteigungsmacht gemeint, die Gott gegenüber Bildern und Begriffen eignet. Innerhalb der Grenzen, die ihm die Endlichkeit zieht, ist auch der Mensch universell. So ist der Begriff des Menschenbildes nur bis zu einer gar nicht sehr weit gezogenen Grenze richtig. Doch wollen wir ihn gelten lassen und als Mittel für die Beantwortung der Frage gebrauchen, wie die Offenbarung den Menschen sieht. Um gleich in die ganze Spannung der Frage hineinzukommen, wollen wir einige charakteristische Bilder betrachten, welche die Neuzeit sich vom Menschen gemacht hat. Da ist das Menschenbild des Materialismus, das im Anlauf zur Französischen Revolution entsteht, im neunzehnten Jahrhundert entwickelt wird und heute das totalitäre Denken bestimmt: Was es gibt, ist danach nur die Materie, beziehungsweise die Energie. Sie war von je. Auf Grund ihrer Wesensgesetze ist sie in Bewegung gekommen, und aus dem toten Stoff hat sich das organische Leben gebildet; aus dem organischen das psychische; aus diesem das geistige. Wenn es möglich wäre, zum Letzten durchzudringen, dann würde man alles aus den Eigenschaften der Materie ableiten können, so, wie der Chemiker eine Verbindung aus ihren Elementen und den Bedingungen des Versuchs ableitet. Für den Materialismus ist der Mensch nichts als hochkomplizierter Stoff. Diesem Bild steht ein anderes gegenüber, das idealistische, wie es von den großen Systemen des ausgehenden achtzehnten und des neunzehnten Jahrhunderts entwickelt worden ist. Danach ist das Erste und Eigentliche der Geist, und zwar der absolute, der Weltgeist. Er ist zuerst gebunden und stumm, will aber seiner selbst mächtig werden, und erzeugt so die Materie. In Auseinandersetzung mit ihr gestaltet er die Welt, um endlich im Menschen zum Bewußtsein seiner selbst zu gelangen. Daß | ||
< | Seite 84 | > |