![]() | Treffernummer: |
< | Seite 300 | > |
Ich lese gerade Wittich.*894 Da kommen einem Gedanken! Der Tod Sonnenscheins und die Besinnung auf seine Arbeit.*895 Durch Sizilien bin ich der Frage der antiken Weltanschauung wieder näher gekommen; lese auch gerade Bachofen*896, nachdem ich Otto's »Götter Griechenlands«*897 vorgehabt? Fragen über Fragen. Du siehst, daß auch in spiritualibus Dein Kommen vonnöten ist. Schreibe bald, und die Sonne soll kommen und Dir recht gut tun! Dein Romano. 894 Wohl ein Verschreiber für: Josef Wittig (22.1.1879, Neusorge/Schlesien, bis 22.8.1949, Göhrde/Niedersachsen), katholischer Priester und religiöser (Volks-)Schriftsteller von großem Einfluß; Professor für Kirchengeschiche, Patrologie und Christlliche Kunst in Breslau; wurde wegen seines Aufsatzes »Die Erlösten«, in: Hochland 1922, kirchlicherseits angegriffen, 1925 auf den Index gesetzt, 1926 exkommuniziert und von der Lehre entbunden; heiratete 1927 und gründete eine Familie; wurde 1946 kirchlich rehabilitiert und mußte kriegsbedingt Schlesien verlassen. - Guardini hatte sich bei der Indizierung Wittigs inoffiziell für ihn eingesetzt und erfolglos zu vermitteln versucht. 895 Dr. phil. Dr. theol. Carl Sonnenschein (15.7.1876, Düsseldorf, bis 20.2.1929, Berlin), katholischer Priester, 1908 Gründer des »Sekretariats Sozialer Studentenarbeit«, ab 1919 Arbeiter- und Studentenseelsorger in Berlin, war mit außerordentlicher Wirkung und hohem Ansehen caritativ und politisch tätig. Werke (Auswahl): Die sozialstudentische Bewegung, 1909; Notizen. Weltstadtbetrachtungen, 10 Hefte, 1925-1929. Allerdings bestanden zwischen ihm und Guardini starke Spannungen im Blick auf das Verständnis religiöser Öffentlichkeitsarbeit; dennoch hielt Guardini im Februar 1931 bei der Gedenkfeier an Sonnenschein in der Katholischen Volkshochschule Berlin einen Vortrag über Madeleine Sémer (deren Übersetzung er 1929 veröffentlicht hatte; M 280). 896 Johann Jakob Bachofen (22.12.1815, Basel, bis 1887, ebd.), Professor für Römisches Recht in Basel, Altertumsforscher, schrieb die berühmten Werke Versuch über die Gräbersymbolik der Alten (1859) und vor allem: Mutterrecht und Urreligion (1861), worin die These von einem ursprünglichen Matriarchat vertreten wurde. 897 Walter F. Otto, Die Götter Griechenlands. Das Bild des Göttlichen im Spiegel des griechischen Geistes, Bonn 1929. | ||
< | Seite 300 | > |