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Hier Genaueres zu sagen, ohne zu phantasieren, ist schwer. Man muß überall verstreute Anzeichen, Hoffnungen, Versuche, durch Fehlschläge durchkreuzte Entwicklungsrichtungen zusammenholen und aus ihnen ein Ganzes herausschauen. Das Bild, das so entsteht, ist dann utopisch; aber es gibt ja zwei Arten von Utopien. Die einen sind müßige Spiele der Phantasie; die anderen hingegen Vorentwürfe von Kommendem. Sie haben in der Geschichte große Bedeutung gehabt. Ein bloßes, aus reinem Nicht-Wissen und Nicht-Haben sich vollziehendes Suchen ist unmöglich; man kann nur suchen, was man in irgend einer Weise vorwegnehmend schon hat. Utopien sind Anstrengungen, das, was noch verborgen aus dem geschichtlichen Werdebereich heraufdrängt, in Bildern und Plänen offen hinzustellen, damit es wirksam gesucht werden könne. Wie hätte also wohl der Menschentypus auszusehen, der da gesucht bzw. dessen Werden erhofft wird? Er müßte vor allem ein ursprüngliches Verhältnis zur Macht haben. Dieser Mensch muß wissen und bejahen, daß der Sinn der kommenden Kultur nicht Wohlfahrt, sondern Herrschaft ist; Vollstreckung des Auftrags, den Gott in das Wesen des Menschen gelegt hat. Was werden soll, ist keine Universalversicherung, sondern eine Weltgestalt, in der sich dieser Herrschaftssinn mit seiner Größe ausdrückt. Ihn hat der Bürger nicht gewollt. Er hat sich davor gefürchtet. Ja er hat ihn im Grunde für unrecht gehalten. Darum hat er die Macht, die er tatsächlich hatte, mit schlechtem Gewissen ausgeübt und Sicherheit, Nutzen, Wohlfahrt vorgeschoben. Darum hat er weder ein echtes Herrschaftsethos noch einen echten Herrschaftsstil ausgebildet, sondern sich immer ins Anonyme zurückgezogen. Der Mensch, der jetzt gemeint ist, setzt Nutzen, Sicherheit und Wohlfahrt entschieden an die Zweite Stelle; an die erste die Größe der kommenden Weltgestalt. - | ||
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