Romano Guardini Online Konkordanz
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Dieses Handeln war auch ein Kampf, freilich besonderer Art. Seine Gegner waren vor allem die feindlichen Gruppen im jüdischen Volke: Pharisäer und Sadduzäer, Älteste, Priester und Hohepriester. Es waren die umgehenden Anschauungen, in denen sich die Lehre vom einen Gott, das Bild des Messias und des messianischen Reiches und das Bedeutungsbewußtsein des berufenen Volkes derart verkehrt hatten, daß sie wie Mauern gegen ihn standen. Es waren endlich die widerstrebenden Gesinnungen im Menschen überhaupt; das, was sich dem Erlöser, wenn er das innere Umdenken und Neuwerden forderte, verschloß. Hinter alledem stand aber noch etwas weiteres: eine dunkle, nur selten deutlich hervortretende Welt; Wesen, Mächte, Absichten; Satan und mit ihm andere, von Gott abgefallene, ihm untergebene Geister, die eine Art Ordnung, richtiger gesagt, eine Widerordnung, ein durch seinen zerstörenden Willen geeintes Un-Reich bilden.
Das zuzugeben fällt uns schwer. Im Grunde empfinden wir wie die bereits genannte Neuzeit. Gedanken dieser Art scheinen uns fragwürdig und unsauber, und wir möchten die reine Gestalt Jesu von ihnen befreien. Bei dieser Stellungnahme wirkt Verschiedenes zusammen. Aus der Geschichte des Religiösen wissen wir, wie verbreitet der Glaube an Dämonen, und wieviel Dumpfheit und Aberglaube in ihm ist. Wir wissen, daß er aufs engste mit dem Triebleben zusammenhängt und daß Krankheit und Unnatur eine große Rolle in ihm spielen. Wir hören, wie sehr Menschen durch den Glauben an solche Mächte gequält worden sind, und eine innere Warnung sagt uns, daß in uns selbst manches Verworrene und Ängstigende ist, das durch jenen Glauben geweckt werden könnte. So wollen wir nichts mit diesen Dingen zu tun haben. Ein Gefühl der Reinlichkeit zieht sich vor ihnen zurück. Der Instinkt der Selbsterhaltung wehrt sie ab ... Das alles ist verständlich, hebt aber die Tatsache nicht auf, daß Jesus vom Satan spricht. Und nicht wie ein geistig Unentwickelter oder ein Verworrener oder ein Kranker es tun, sondern überlegen und klar. Auch nicht

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