Romano Guardini Online Konkordanz
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und es wieder in Ordnung bringen, wenn es fehlgeht; nicht aber in Diskussionen unter und vor vielen. So habe ich mir etwas anders ausgedacht: ich möchte Ihnen sagen, was mir selbst die Kirche bedeutet; wie mein eigenes Verhältnis zu ihr sich begründet hat und wie sie für mich im religiösen Leben steht.
Doch darf ich wohl daran erinnern, daß Sie es mit einem Theologen zu tun haben, der gewohnt ist, die Dinge in kritischem Denken zu objektivieren; so brauchen Sie nicht zu befürchten, Sie möchten mit allzu Persönlichem behelligt werden. Andererseits haben Sie aber auf diese Weise die Sicherheit, daß Sie nicht bloß Theoretisches zu hören bekommen, sondern Gedanken, hinter denen Erfahrung steht. Aus dem Gesagten wird dann ganz von selbst deutlich werden, worin mir die evangelische Vorstellung von Kirche unverständlich, bzw. unzulänglich erscheint.

II.
Der junge Mensch, der ins wissenschaftliche Leben eintritt – besonders wenn er, wie in meinem Fall, zunächst nicht Theologie, sondern anderes studiert –, prüft naturgemäß seine Stellungnahme zum Glauben. Er macht seine Krisen durch. Er fragt, ob er das, was ihm zu Hause, in der Schule und durch die Predigt gesagt worden ist, glauben könne; ja ob er es unter dem Maßstab der Wahrheit glauben dürfe bzw. solle. Fragt, ob und wie es ihm Halt für seine Existenz und Führung für sein Leben und Arbeiten geben werde. Vielleicht meint er zuerst um der Ehrlichkeit willen mit ihm brechen zu müssen, dann regt sich aber doch wieder der Wunsch, einen Stand im Religiösen zu gewinnen, und eine neue Bemühung um die christliche Wahrheit setzt ein.
Und nun wollen Sie bitte aus dem, was ich sage, keine allgemeine Theorie darüber heraushören, wie der Weg zum Glauben führen müsse; auch nicht, wie er auf katholischer Seite gewöhnlich führe, sondern wie er in bestimmten Fällen – hier in

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