Romano Guardini Online Konkordanz
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Viel Not ist heute in der Welt. Vieles ist zerbrochen, was einst groß dastand. jeder von uns hat Kostbares verloren. Jeden drückt Sorge. Und durch viel Schweres werden wir noch hindurch müssen. Und doch, was wir durchleben, ist kein Untergang, sondern es geht aufwärts. Hierin scheiden sich die wahrhaft Jungen von den wirklich Alten. Die einen sehen nur, was zusammenbricht, und es ist ihnen das Ende. Die andern aber sagen: Es geht viel zugrund, damit Raum werde für Neues, und damit das Neue, das hervor will, sich in der Not bewähre. Viele gute Kräfte erwachen! Die bauen eine neue Welt auf, und niemand kann sie daran hindern, wenn sie nur treu sind. Das größte aber von all diesem Neuen ist, daß Gott den Seelen wieder wirklich wird.
Laß Dir einmal erzählen, wie es noch vor gar nicht so langer Zeit ausgesehen hat. Die Menschen des vorigen Jahrhunderts und auch noch am Anfang von diesem waren ein eigener Schlag. Man möchte sagen: Sie waren in sich selbst eingesperrt. Sie saßen in Häusern, Fabriken und Schreibstuben und sahen die große Welt draußen gar nicht recht. Natürlich gab es Ausnahmen, und ihrer wurden immer mehr. Aber bei den meisten war es doch so. Sie machten allerlei Ausflüge, aber heimisch waren sie unter den Bäumen und Tieren, auf Feldern und Bergen nicht. Es waren Stubenmenschen. Eine Mauer stand zwischen ihnen und den farbigen, lebendigen Dingen draußen. Dicke Bücher schrieben sie darüber, ob es überhaupt eine Welt gebe, oder ob nicht alles Schein und Täuschung sei! Ist das nicht seltsam, daß Menschen sich darauf besinnen, ob die hohe Buche dort mit ihrem edlen Stamm und ihren

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