Romano Guardini Online Konkordanz
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Was die Länge angeht, so möchte ich meinen, dass nach den sehr zahlreichen Umarbeitungen und stets erneuten Streichungen ein wirklich überflüssiger Satz kaum stehen geblieben ist. Was aber den Vorwurf der Subjektivität angeht, so kann ich dem nur entgegenhalten, dass ich den Nachruf sehr objektiv urteilenden Persönlichkeiten vorgelegt habe, gerade um sicher zu sein, dass er die feine Grenze zwischen persönlicher Beteiligung und unberechtigtem Vordrängen des Subjektiven nicht überschreite. Im Ganzen hat er volle Billigung gefunden; im Einzelnen habe ich sorgsam jeden Wink berücksichtigt, der mir gegeben wurde.
Endlich glaube ich, in diesem Leben mit seiner Stille und Absichtslosigkeit liegt nicht nur wirkliche menschliche Grösse, sondern etwas, was unsere Zeit sehr nahe angeht, und was geistig wie menschlich Newman tief verwandt ist. Und dass in dieser Weise das Leben eines Menschen mit dem Werke verknüpft wird, dem er gedient; dass ferner in die Würdigung zugleich die Note persönlicher Verbundenheit der Freunde hineinkommt, habe ich wiederum als dem Geiste Newmans tief entsprechend angesehen.
Ich glaube, Sie trauen mir zu, dass ich diesen Nachruf nicht ohne die sorgsamste Erwägung aller in Betracht kommenden Gesichtspunkte aus der Hand gegeben habe. Diese Gesichtspunkte habe ich Ihnen, so wie ich sie sah, im Vorstehenden dargelegt, und ich möchte Sie um gütige Aeusserung bitten, wie Sie darüber denken.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihnen ergeben
P. S. Ich verreise in den nächsten Tagen. So bitte ich Sie, den Brief an meine Adresse nach Mooshausen, Post Marstetten (Württ.) zu schicken.

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