Romano Guardini Online Konkordanz
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dem Chaos der Völkerwanderung wieder nach der Ruhe des geistigen Blickes und der Kraft geistigen Bauens streben: die Theologen und Philosophen der Karolingerzeit; daraus besonders bedeutungsvoll Rhabanus Maurus, Hinkmar von Reims und der rätselvolle Scotus Eriugena. Es folgen die Dialektiker und Antidialektiker des neunten bis elften Jahrhunderts, mit ihrem Kampf um die Frage der Geltungsform der Allgemeinbegriffe - also der Frage nach der Weise, wie im Ideellen Stand zu fassen sei; daraus besonders zu nennen Notker von St. Gallen, Gerbert von Reims, der spätere Papst Silvester II., Fulbert von Chartres, Berengar von Tours, Petrus Damiani - es ist die Zeit der Bewegung von Cluny, der großen Kirchenreform und des Investiturstreites - Lanfranc von Bec. Es folgen die Auseinandersetzungen über Idee und Sein, Wesen und Wort: Roscelin von Compiègne und Wilhelm von Champeaux. Bis dann, in einer Zeit drängenden Ringens um die wissenschaftliche Denkmethode (Schule von Chartres, Odo von Cambrai, Bernold von Konstanz, Honorius von Autun), in der königlichen Gestalt Anselms von Canterbury der erste große Denker ersteht; ein Mensch, wahrhaft erfüllt vom Eros des Gedankens und des Menschenbildens zugleich. Darauf Abälard und sein großer Gegner Bernhard von Clairvaux, mit ihrem Kampf um das Verhältnis von Verstand und Glaube, Intellekt und Tun im Gesamtbereich des religiösen Denkens. Petrus Lombardus gibt der kommenden theologischen Arbeit ihren lehrtechnischen Halt durch seinen "Liber sententiarum". Die Schule von Chartres blüht mit einer reichen Zahl tüchtiger Arbeiter; ebenso die wundervolle Schule von St. Viktor zu Paris, mit Hugo, Richard, Walter; Mystikern, Philosophen und Theologen zugleich. Die pantheistische Strömung des Amalrich von Bena und David von Dinant zeugt von der Spannung des religiösen Problems. Der breite Anstrom der jüdischen und arabischen Philosophie stellt neue Fragen und bringt zugleich auf mannigfachen Wegen das Corpus der aristotelischen Schriften herein.
Dann holt die Bewegung zum größten Aufschwung aus im dreizehnten Jahrhundert: Gundissalinus in Spanien; Wilhelm

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