Romano Guardini Online Konkordanz
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mit einem Wort, erfahren ist, sonst stehen Worte und Sätze im Leeren. Entsprechendes gilt auch in unserem Fall.
Dieser Vortrag soll über eine bestimmte Wirklichkeit unseres Daseins etwas Bestimmtes sagen. Das ist nur möglich, wenn und soweit die Erfahrung des Hörers - sei es direkt, sei es indirekt - mit dieser Wirklichkeit in Fühlung steht. So ist das Folgende bis zu einem gewissen Punkt ins Unbestimmte gesagt.

Religiöses Sprechen
Zunächst: Es gibt ein echtes und ein unechtes religiöses Sprechen. Echt ist es, wenn der Redende von eigener Erfahrung
her spricht - oder doch so, daß er die eines Anderen Anteil nehmend mitvollzieht. Unecht ist es, wenn der Redende religiöse Wörter zu gesellschaftlichen, ästhetischen, politischen Zwecken handhabt; wenn er mit ihnen scheinreligiöse Empfindungen ausdrückt beziehungsweise weckt... Nun gibt es ein legitimes Sprechen, das nicht primäre Erfahrungen ausdrückt, sondern der Untersuchung solcher Erfahrung und ihrer Inhalte dient, nämlich das wissenschaftliche. Doch gilt auch von ihm, daß es, um echt zu sein, Erfahrung voraussetzt. Ein Teil des religionswissenschaftlichen Sprechens ist denn auch, trotz aller Fachkenntnis, im Grunde unecht, weil ihm diese Voraussetzung fehlt. Daher wird es immer geneigt sein, das Religiöse in Anderes - Ideologisches, Psychologisches, Soziologisches - aufzulösen.
Dann: zum Wesen alles Sprechens gehört, daß es auf das Schweigen bezogen ist. Erst beide Verhaltensweisen zusammen bilden das volle Phänomen. Sie bestimmen einander wechselseitig, denn wirklich sprechen kann nur, wer schweigen kann - ebenso wie wirkliches Schweigen nur dem möglich ist, der zu reden vermag. Das echte Schweigen bedeutet nicht das bloße Negativum, daß nicht gesprochen werde, sondern ein lebendiges Verhalten; eine in sich schwingende Bewegtheit des inneren Lebens, in welcher dieses seiner selbst mächtig wird. Erst aus

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