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Aus dieser ältesten Gruppe christlichen Schrifttums folgt hier die »Lehre der zwölf Apostel«. *1 Sie stammt wahrscheinlich aus dem Ende des ersten Jahrhunderts und ist wohl in Syrien entstanden. Einst genoß sie sehr hohes Ansehen; Klemens von Alexandrien rechnet sie zur Heiligen Schrift selbst. Sie gliedert sich in drei Teile. Der erste, I-VI, stellt unter dem Bilde der beiden Wege die christliche Lebenslehre dar. VII-X handelt über Liturgisches: Taufe, Fasten, Gebet und Eucharistie. XI-XV ordnet das Gemeindeleben, das Verhältnis der Gläubigen zueinander, der Gemeinde zum Einzelnen; besonders beschäftigt er sich mit den wandernden Glaubenslehrern (Propheten). XVI endlich, der Schluß, weist auf das Kommen des Herrn hin und mahnt zum Wachsein. Die Schrift ist vom Hauch der ersten Zeit erfüllt. Die Verhältnisse sind noch ganz ursprünglich; die Gemeinden noch nicht fest geprägt. Überall wirken wandernde Lehrer. Das liturgische Leben ist einfach; die Eucharistiefeier sehr schlicht. Dreimal täglich wird das Vaterunser gesprochen. Das Leben steht unter der Erwartung der Parusie, der letzten Ankunft des Herrn. Gewaltig spricht die Sehnsucht des Maranatha im X. Kapitel, an den Schluß der Apokalypse erinnernd. Sehr tief ist das Gemeinschaftsbewußtsein; die Überzeugung, daß alle zusammengehören, und jeder dem anderen an seiner Habe Anteil geben müsse. Wir fühlen noch die Haltung, von der die Apostelgeschichte berichtet (2,44ff.; 4,32ff.). Alles ist noch von der Kraft der Charismen durchpulst; jener Geistwirkungen, über die der erste Korintherbrief spricht (12 und 14). Die Sprache redet schlicht; als Spruch, Mahnung, Anordnung; manchmal, wie in IX, X und XVI, erhebt sie sich zu hymnischer Feierlichkeit. *1 Griechischer Text bei Funk, Die apostolischen Väter, Tübingen 2[. Aufl.] 1906, S. 1ff. | ||
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