Romano Guardini Online Konkordanz
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Denn wenn die heilige Botschaft ist, was sie zu sein beansprucht, steht sie ja zu den Gedanken der Zeit immer quer. Immer holt sie den hörenden Menschen aus dem, was von der Zeit her gedacht wird, heraus, um ihn in das zu führen, was von der Ewigkeit her gilt. Trotzdem war es früher doch wohl leichter, die Worte recht zu sprechen und zu vernehmen. Sie waren noch nicht so tief in die allgemeine Kulturvermengung hineingezogen; so waren sie sauberer und echter. Vielleicht werden sie es im Fortgang der Zeit wieder - dann, wenn sich ein entschieden nichtchristliches Bewußtsein herausgebildet hat, dessen Äußerungen sich nicht mehr verwechseln lassen. Dann wird, könnte man denken, auch das christliche Bewußtsein entschiedener und sein Wort eindeutiger: für die Einen wahrhaftiger Ausdruck von Gottes Botschaft, für die Anderen klarer Anlaß zur Ablehnung.
Wir stehen in der Verworrenheit und tun gut, immer neu die Unterscheidung zu vollziehen. So wollen wir das auch jetzt tun, damit wir besser verstehen, was die Weihnachtsbotschaft meint.
Man darf wohl sagen, daß wir in diesen Wochen von einem wahren Weihnachts-Spektakel umgeben sind. Was da auf den Straßen und in den Geschäften, vor Garagen und in Gaststätten, in Zeitungen und Theatern herumweihnachtet, hat überhaupt keinen religiösen Kern mehr. Industrie und Markt haben sich der überlieferten Symbole derart rücksichtslos bemächtigt, daß man fast wünschen muß, der Unfug

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