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50. Brief vom 10.01.1915, Freiburg. (auch 24.01.1915) Fr. 10. 1.15. Lieber Josef Also vor allem recht willkommen im neuen Heim*397, und daß Du Dich dort recht wohl fühlen mögest! Deine Beschreibung ist sehr verlockend. Hoffentlich kommen nun auch Deine Nerven zur Ruhe. Deinen Federer Aufsatz habe ich für die Absendung an die »Hist. pol. Bl.« fertig gemacht.*398 Will sehen, wie es da geht. Er paßt zwar nicht ganz in ihr Programm, aber vielleicht nimmt ihn Dr. Jochner doch. Wenn nicht, dann wollen wir anderswo sehen. Heute erhielt ich einen Brief von Eberle. Er ist in Wien an der »Reichspost«*399, nun schon 11/2 Jahre, Strozzigasse 42 (VIII Bezirk). Mich freuts, daß der Bismarck Dir gefallen hat.*400 Die Photogr. gefällt mir besser als alle Porträts und Büsten ... die ich je gesehen. Es ist eine von den Photogr. die den Mann in einem guten Augenblick traf, wo er mehr vom Inneren zeigte als sonst und so wurde das Bild zu mehr als einer bloßen Photographie. Mit Roloff*401 hatte ich seitdem manches interessante Gespräch. Neulich abend spielte und erklärte er mir eine Sonate von Beethoven. Du hättest mehr als ich davon gehabt, denn Musik liegt mir doch ferner als 397 Weiger hatte ab dem 23.12.1914 nach seiner Krankheit eine neue Stelle als Vikar in Herrlingen angetreten. 398 Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland, gegründet im Kreis um Joseph Görres und Franz von Baader, Themen: Kultur, Literatur und Politik; Bd. 1: 1838 - Bd. 171: 1923; nach dem Tod des damaligen Schriftleiters Georg Maria Jochner erloschen die Blätter. 399 Vgl. Br. 1. 400 Otto von Bismarck (1815, Schönhausen, bis 1898, Friedrichsruh/Hamburg), 1871 Gründer und erster Kanzler des Deutschen Reiches. - Die Bemerkung könnte sich beziehen auf das in der Bibliothek Mooshausen befindliche Buch: Gedanken und Erinnerungen von Otto Fürst von Bismarck. Volks=Ausgabe, Bd. I und II, Stuttgart/Berlin 1915. Außerdem sind ebd. vorhanden: Dr. Freiherr von Mittnacht, Erinnerungen an Bismarck, Stuttgart/Berlin 6. Aufl. 1904; ders., Erinnerungen an Bismarck. Neue Folge (1877-1889), Stuttgart/Berlin 4. Aufl. 1905; Martin Spahn, Bismarck, Mönchen-Gladbach 1915. - Guardinis deutliches Interesse an Bismarck ist auch dokumentiert in Br. 54. 401 Ernst Max Roloff (1867, Fürstenberg/Weser, bis 1935, Berlin), katholischer Pädagoge, Hg. des Lexikons für Pädagogik, 5 Bde., Freiburg: Herder, 1913-17; Guardini verfaßte für das Lexikon offenbar pseudonyme Artikel (vgl. Br. 58). In einem Brief vom 10. April 1916 an Heidegger schreibt Guardini von »meinem Leibburschen Herrn Rektor E. M. Roloff« (Heidegger-Jahrbuch 1, Freiburg/München 2004, 71). Mit »Leibbursche« ist wohl die spezifische Beziehung in der katholischen Studentenvereinigung »Unitas« (vgl. weiter unten) angesprochen, obwohl Roloff 18 Jahre älter war als Guardini; vielleicht fällt diese Phase auch in Guardinis erstes Studiensemester in Freiburg im Sommer 1906. In der Bibliothek Mooshausen befinden sich: E. M. Roloff (Hg.), Lexikon der Pädagogik, 1. Bd., mit handschriftlicher Widmung: »Herrn Pfarrer Josef Weiger in Freundschaft und dankbarer Erinnerung an den August 1919 in Mooshausen. Freiburg i. Br. 12. Okt. 1919«; ferner: ders., Ägypten einst und jetzt, Freiburg (Herder) 31908, mit handschriftlicher Widmung an Josef Weiger vom 19.3.1920; und: ders., Im Lande der Bibel, Berlin/Bonn 1922. Auf einem gesonderten Blatt (aus einem Gästebuch?) steht hs.: »Dem ebenso anregenden wie gastlichen Pfarrhause von Mooshausen gebührt in meinen ?Lebenserinnerungen?, die ich in ernstester Zeit hier zu schreiben begann, ein besonderer Platz. Ich scheide von ihm mit herzlichem Dank u. werde mich nach dieser Friedensoase oft zurücksehnen. Mooshausen, d. 28. Aug. 1919. Prof. Ernst M. Roloff.« | ||
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