Romano Guardini Online Konkordanz
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im Geiste nahe bleiben, wenn der eine an den andern denkt, sich bemüht, nach den Absichten des anderen zu handeln, ihm Ehre zu machen. Dann mag die Entfernung noch so groß sein, in der Seele sind sie einander nahe. Ganz schlimm wird es erst, wenn sich solche Menschen auch im Innern entfremdet werden, wenn der eine nicht mehr an den andern denkt, sich nicht mehr um seinen Willen kümmert. Dann löst er sich erst richtig von ihm los. Dann wird er ihm fern und immer ferner. So war's mit den Menschen und Gott. Nicht daß eine äußere Entfernung zwischen ihnen und Ihm gewesen wäre, so, wie zwischen einem Land und einem anderen. Das nicht. Denn Er ist ja überall. Er ist in uns, in Ihm leben wir und bewegen wir uns und sind wir [Apg 17,28]. Er war ihnen also ganz nahe, und doch waren sie Ihm fern; denn sie dachten nicht mehr an Ihn. Sie wußten nichts Rechtes mehr von Ihm. Redeten von vielen Göttern, da es doch nur einen gibt. Dichteten ihren Göttern allerlei Geschehen und Sünden an, und Gott ist doch der Reine und Heilige. Und in ihrem Leben trieben sie, was ihnen gefiel. Ja, selbst die sich Mühe gaben, recht zu handeln, lebten in viel Sünde und Härte des Herzens. Wenn man in den alten Berichten liest, wie die Menschen es früher trieben, und läßt sich nicht blenden durch all den äußeren Glanz, die schönen Kulturwerke und die großen Taten, dann kann einem gar traurig zumute werden. Und den Menschen selbst, wenigstens den besten unter ihnen, war auch oft traurig zumute. Sie fühlten es tief, daß es mit ihnen nicht gut stand, wenn sie auch oft nicht klar sehen konnten, woran es fehlte. Es war, wie der Apostel sagt: Sie waren »fern« von Gott [Eph 2,13].

3.
Das wurde anders, als der Heiland kam. Warum hat es denn die Menschen so zu Ihm hingezogen? Wenigstens, die guten Willens waren? Weil sie spürten: Hier ist Gott. Darum gingen

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