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einer größeren sozialen Gruppe in Beziehung steht. *1 Dies der Begriff des Berufes, soweit er mit wenigen Worten umrissen werden kann. Im folgenden soll nun nach seinen Voraussetzungen und nach seinem näheren Inhalt gefragt werden. II. Soll die Lebenserscheinung »Beruf« möglich werden, so müssen vor allem gewisse allgemeingeschichtliche, genauer, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Vorbedingungen gegeben sein. Bestimmte objektive Kreise menschlicher Tätigkeit können sich erst dann ausscheiden, wenn diese Tätigkeit überhaupt einen hinreichenden Grad der Differenzierung erreicht hat. Eine scharfe Grenze kann hier natürlich nicht gezogen werden. Allein es ist klar, daß z.B. im Bereich einer dünnen und nur ackerbautreibenden Bevölkerung, in der jeder Hof alles oder fast alles Nötige selbst herstellt, wenig Raum für eigentliches Berufsleben ist. Noch weniger in einer Bevölkerung von Nomaden, Hirten oder Jägern. Erst müssen sich die Bedürfnisse verfeinern; durch längere Kulturüberlieferung müssen die erzeugten Güter mannigfaltiger, die Arbeitsweisen schwieriger werden und daher eine gewisse Fachkenntnis voraussetzen. Erst dann können charakteristische Tätigkeitsformen hervortreten, die entsprechende Gruppen von Gütern produzieren, dafür geeignete Arbeitsmethoden schaffen, einen zweckmäßigen Lehrgang, besondere Fertigkeiten, Kenntnisse, Werkzeuge usw. herausbilden. Mit einem Wort: »Beruf« setzt »Arbeitsteilung« voraus. Nun ist es auch für den Beruf im subjektiven Sinn überhaupt erst möglich, unter den verschiedenen Tätigkeitsformen zu *1 Wir können in der Tätigkeit eines Robinson, der in der Einsamkeit, ohne jede Beziehung zu den übrigen Menschen, sein Wesen treibt, keinen Beruf erblicken. Es sei denn, daß er als Pionier der vordringenden Gesittung und Kultur wirkt, und so seine Tätigkeit in irgendeiner Weise anderen zugute kommt. | ||
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