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Diese haben für die jeweilige geschichtliche Gegenwart eine besondere Bedeutung, welche nicht mit den gewohnten Begriffen fortwirkender Tradition oder befruchtender, humanistisch aufgenommener Vergangenheit, sondern mit einer zuerst seltsam anmutenden Vorstellung ausgedrückt wird: der einer wirklichen Wiederkehr. Der Einzelne, die Ganzheitsmächte und darüber die zur Wiederkehr drängende Vergangenheit - daraus besteht das Hölderlinsche Gefüge der Geschichte. Diese wird ihrerseits vom Gesamt-Ganzen der »Natur« umfaßt. In diesem letzten Sinne genommen steht sie zur Geschichte nicht mehr im Gegensatz, sondern bedeutet den Inbegriff des Daseins, innerhalb dessen es sowohl die Geschichte wie auch die Natur in der engeren Bedeutung des Wortes gibt. Das geschichtliche Handeln, die Freiheit und der Staat I. Geschichte im eigentlichen Sinne meint das Dasein großer menschlicher Gruppen, vor allem Völker, die vom Willen, zu wachsen und mächtig zu werden, und vom Bewußtsein einer mit solcher Größe verbundenen Verantwortung für das Menschentum überhaupt beseelt sind. Mit ihrer besonderen Art und auf Grund der eigentümlichen Gegebenheiten ihres Lebensbereiches stehen sie anderen Gruppen gegenüber und haben sich gegen sie zu behaupten. Sie sind durch vielfache Gesetze gebunden: Notwendigkeiten naturhafter, wirtschaftlicher, sozialer Art sowohl wie Normen des Rechten, Ehrenhaften und Großen. Sie wollen sein, gedeihen, wachsen; fühlen sich aber auch verpflichtet, in eben diesem eigenen Dasein das heraufzuheben, was Adel, Würdigkeit und Herrlichkeit bedeutet. Innerhalb dieser Ganzheiten und zugleich ihnen in Spannung gegenübergestellt steht der Einzelne. Er geht, als Glied | ||
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