Romano Guardini Online Konkordanz
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Wir wollen trachten, daß unser Herz froh werde. "Nicht lustig, das ist etwas ganz anderes. Lustig sein ist äußerlich, macht Lärm und verfliegt rasch wieder. Die Freudigkeit aber lebt drinnen, still, und wurzelt tief. Sie ist die Schwester des Ernstes; wo sie ist, da ist auch er.
Nun gibt es freilich eine Freudigkeit, über die hat man keine Gewalt. Jene Freude, die über einen kommt, groß, tief, von der die Heilige Schrift sagt, sie sei wie ein Strom; oder jene lachende Fröhlichkeit, die alles verwandelt, daß die Welt im Licht steht - die kommt und geht, wie sie will. Man kann sie nur empfangen, wenn sie kommt, und ihrer ledig stehen, wenn sie gegangen ist. jene Freudigkeit, die aus der Kraft und Zuversicht jungen Lebens stammt; oder gar jene andere, seltene, die bei auserwählten Menschen aus der inneren Klarheit ihres Wesens leuchtet - über die hat man keine Gewalt. Sie ist da oder ist nicht da. Doch auch für sie ist es eine Frage, ob man sie hütet oder vergeudet.
Hier soll aber von einer Freudigkeit die Rede sein, der man die Wege bahnen kann. Die jeder haben kann, ganz gleich, welcher Sinnesart er sei. Sie soll auch unabhängig sein von guten und schlimmen Stunden, von kräftigen oder müden Tagen. Wie man der den Weg frei macht, darüber wollen wir hier nachdenken. Sie kommt nicht vom Geld, von behaglichem Leben oder daher, daß die Leute einen ehren, wenn auch das alles Einfluß auf sie haben mag. Sie kommt vielmehr aus den edlen Dingen: Aus einer tüchtigen Arbeit; einem gütigen Wort, das man gehört hat oder selbst hat sprechen dürfen; wenn man tapfer gegen irgendeinen

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