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Der erste besagte, solche Ausstellungen möchten häufiger stattfinden; ja sie möchten zum regelmäßigen Bestande jener Bildungsmöglichkeiten gehören, welche die Universtität über die Fachwissenschaft hinaus gibt. Damit ist natürlich auch gesagt, daß sie für die Regel keine solche Fülle und Gewichtigkeit haben würden wie die soeben geschlossene. Das brauchten sie aber auch nicht. Wenige Werke, vielleicht nur eines Meisters, dafür aber in freieren Raum verteilt; eine Reihe graphischer Blätter, ein Zusammenhang von Entwürfen für Städtebau und ähnliches wäre sogar besser als ein Reichtum, der den Ungeübten verwirrt. Auch durchaus nicht immer nur Vollendetes oder gar Großes, sondern auch Unfertiges, Suchendes, zum künstlerischen Werktag Gehöriges. Kunst soll ja doch nicht nur Ausnahme und Feier, sondern auch ein Stück unseres Lebens sein. Sofort schließt sich aber ein zweiter Wunsch an: die ausgestellten Werke möchten auch durch entsprechende Hilfe aufgeschlossen werden. Das ist geschehen, aber doch wohl noch nicht genug und vielleicht nicht immer in der richtigen Weise. Wenn man die Menschen betrachtete, die in den Sälen herumgingen, merkte man, wie hilflos sie oft waren und nicht wußten, was sie mit den Dingen anfangen sollten. Und zwar gilt das für alle sozialen und bildungsmäßigen Schichten; denn das, worauf es ankommt, ist ja nicht Wissen, sondern Fähigkeit zum Sehen, Fühlen und Verstehen. Ein Bild müßte richtig aufgeschlossen werden, als Werk sowohl wie als Ausdruck von Menschlichem. Die Gestaltungsprobleme müßten fühlbar gemacht werden, die in den verschiedenen Bildern liegen. Darüber hinaus müßte nahegebracht werden, was überhaupt Farbe ist, was Linie, was Bewegung, Masse und so fort. Solche Hilfen ist man den Menschen schuldig, die viele Jahre hindurch von aller echten Kunst weggewöhnt worden sind, – davon, daß während des Krieges die schönsten Dinge haben verborgen werden müssen, gar nicht zu reden. Und man ist es den Werken schuldig, denn wir wissen ja noch gar nicht, wieviel zerstört ist und was noch geschehen kann; sodaß wir, nach | ||
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