Romano Guardini Online Konkordanz
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sammen, und war ein Zug in der Gesamtgestalt, und es war sehr tröstlich.
Glauben bedeutet wohl, mit Hinsicht auf das eigene Leben immer das Ganze zu sehen.
Auch das ist ein Zusammenhang, daß man in den Lebensbereich eines Menschen tritt und daraufhin im eigenen Leben etwas Entsprechendes geschieht.
Ich hatte im Buche Werfels über Bernadette gelesen, die ja so furchtbar am Asthma gelitten hat. Dann löste sich das meine, und es ging auch die Verschlossenheit des bloß Vordergründigen auf, und das Heilig-Eigentliche ließ sich ahnen.
Alles darf nicht grob kausal gedacht werden – weder positivistisch, noch supranatural. Es ist ein Ganzes, Vorsehung, vom Gnadengrund her verbundenes christliches Dasein. In einem solchen Augenblick sieht man einen Zug in dem großen Gewebe des heiligen Ganzen.
Heute in St. Ludwig habe ich versucht, den Punkt deutlich – ein klein wenig deutlich zu machen, der für mich immer mehr zum Punkt des Ärgernisses und des Glaubens wird: Warum Gott, der Herr, der keines Dinges bedarf, die Welt geschaffen hat – bis zur Menschwerdung; bis zur eigensten tiefsten, ewigen Beteiligung ... Der Inhalt der Offenbarung! Wenn man das begriffe – nein, denn da gibt es kein Begreifen; wenn man darin Wurzeln schlagen könnte, wäre alles gut. Alles.
Vielleicht glückt es mir, die Auslegung des Vater-Unsers, an der die Sonntag-Ansprachen arbeiten, zu einem »Handbüchlein des Glaubens« zu entwickeln. Ohne den Zwang des Systems und doch alles Wesentliche enthaltend.
Manchmal denke ich, es müßte eine wunderbare Befreiung sein, sagen zu dürfen: ich brauche nichts mehr zu schreiben. Es ist genug.
Aber es geht nicht. Das Größte ist ja noch zu leisten: die Ethik; die große Glaubenslehre, das Buch über die Offenbarung; die Meditationen über die Kirche, die zehn Gebote und das Herrengebet ... Und dann sind da die Vorlesungen über die Göttliche Komödie und das Lesebuch über Gott ...

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