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ihrer Einsetzung. Es ist sehr feierlich. Seine Lesungen und Gebete sind von heiliger Tiefe. Aber etwas, was sich ausdrücken möchte, kann an diesem Tage offenbar nicht ins Licht gelangen, weil er so ganz vom schweren Ernst der Karwoche eingeschlossen ist. Das tritt am Fronleichnamsfest hervor: es ist Freude. Freude aber - worüber? Stellen wir uns einen ernsten Menschen vor; intelligent und gewohnt, über die Fragen des Daseins nachzudenken; von lebendigem religiösem Sinn, aber kein Christ. Wenn wir. den fragten, was er unter Religiosität verstehe - was würde er wohl antworten? Er würde wahrscheinlich sagen: Die Welt ist voll von Sichtbarem, Dingen und Geschehnissen. Darin ist vieles groß, ernst, beglückend; vieles trüb, quälend, voller Fragwürdigkeit. Alles wandelt sich, entsteht und vergeht, ohne Halt noch Dauer. Dahinter aber empfinde ich ein Eigentliches, das rein und vollkommen ist; vom Wandel nicht berührt wird, sondern in unnahbarer Ewigkeit steht. Das nenne ich Gott. Er würde weiter sagen: Auch im Menschen ist viel Fragwürdigkeit; auch in ihm ein beständiges Werden und Zerfallen. Dahinter aber ist auch bei ihm etwas Eigentliches, das nicht vergeht. Es lebt; aber nicht nach der Weise des Körpers, der sich aufbaut, reift und schließlich stirbt. Sein Leben kann nicht sterben. Das nenne ich Seele. Dieses kleine Ewige aber sucht Beziehung zum großen. Es ahnt dessen Wirklichkeit und möchte Anteil an ihm haben. Es sinnt über sein Wesen nach; sucht nach Bildern, die es ausdrücken; fühlt sich von ihm beeinflußt; bemüht sich, mit ihm in Einklang zu kommen, und hofft, die Unbegreiflichkeiten und Ungerechtigkeiten, Schmerzen und Zerstörungen unseres Daseins werden in ihm Lösung erfahren. Das alles ist Religion. So ungefähr würde er wohl antworten, und es wären schöne Gedanken. Hätte er damit ausgedrückt, was die christliche Botschaft verkündet? Ganz gewiß nicht. Was meint also diese Botschaft? Reihen wir einige ihrer Aussagen aneinander. | ||
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