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Licht, das wie durch Edelsteine floß, denn die Fenster - wie einst überall in den Kirchen Ravennas - bestanden nicht aus Glas, sondern aus dünn geschliffenen, bernsteinfarbenen Alabasterplatten. An der Stirnwand des linken Kreuzarmes, auf dem Apostelmosaik, öffnete sich von oben her nach unten wie eine Muschel von Licht. In der Mitte zog es sich zusammen in den Hals einer Taube, deren Kopf mit geöffnetem Schnabel nach unten gerichtet war, Gottes Gewalt hinabrufend: der Heilige Geist. Von unten her ragte eine abgeschnittene Pyramide empor, eine einfache, kahle Fläche auf schräg ansteigenden Böschungen. Darauf standen die beiden Apostel Petrus und Paulus. Angerufen aus der göttlichen Lichttiefe, streckten sie den Arm hinauf. Da empfand man, was Inspiration ist: das, was aus der göttlichen Tiefe, aus dem göttlichen Drüben an das Innere kommt. Das Berührtsein - nicht der »Seele«; das Wort paßt nicht; der mens, des Geistes. Das Angerufensein des Innersten und des Höchsten, der »Mitte« und der »Schneide« des Geistes. Und der Geist, erschrocken und verlangend zugleich, fährt herum, horcht, reckt sich ... Ich hoffe ihn nicht mehr zu vergessen, den weißen Kopf der Apostelfürsten; ihr hinaufgeworfenes Gesicht; ihre emporgereckte Hand! Das Zweite war Sant' Apollinare in Classe. Es war früh - am Tage, als ich eintrat. Die Helligkeit, die Weite und Freude des königlichen Raumes kam über mich. Nichts darin, als in der Mitte ein kleiner Altar über dem Grab und, wiederum nur klein, der Hauptaltar im Chor. Rings waren einige große, christliche Sarkophage in ihrer stillen Ruhe. An der Wand links berichtete eine Tafel von einer Buße, die einst Kaiser Otto der Erste hier getan und schloß mit den Worten: »Durch seine Sühne hat er sich selbst und das Gotteshaus geadelt.« Weiter zur Tür wieder eine Tafel, die meldete, wie Julius 11. hier gewesen, als auf sein Geheiß | ||
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