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Ein Text, der einer solchen »Wiederherstellung in der Neuheit« besonders bedarf, ist das dreizehnte Kapitel des ersten Briefes an die Korinther. Man hat es das »Hohelied der Liebe« genannt, hat es unter den verschiedensten Gesichtspunkten behandelt, pflegt es bei allen erdenklichen Gelegenheiten anzuführen, und dabei ist es ihm denn auch schlimm ergangen. Man hat es moralisch genommen, und es hat dabei seine ganze Lebendigkeit verloren. Man hat es gefühlsmäßig genommen und es ist sentimental und unernst geworden. Man hat es mit anderen Texten verglichen, die über die Liebe handeln, vor allem mit Platon; es dabei entweder so nahe an diesen herangerückt, daß Platon zum halben Christen und Paulus zum halben Heiden wurde, oder aber den griechischen Philosophen zum Maßstab genommen und festgestellt, wie kümmerlich die Liebesgedanken des christlichen Apostels seien. Es muß also gefragt werden, was der Text eigentlich meint. Und zwar liegt der erste Zugang in einer sehr einfachen Tatsache: daß dieses dreizehnte Kapitel nämlich zwischen dem zwölften und vierzehnten steht. Das klingt töricht, denn wo sollte es sonst stehen; der Sachverhalt scheint aber selten beachtet zu werden. Das Kapitel ist gar nicht so in sich geschlossen, wie es meistens gesehen wird, sondern hängt mit den beiden benachbarten unlöslich zusammen und bekommt erst von ihnen her seinen Sinn. Diese handeln nämlich von den frühchristlichen Geistesgaben, und mit Beziehung auf sie wird das Wesen der Liebe bestimmt. 1. Als der Sohn Gottes zu uns kam, geschah das in der stillen Weise der Geburt. Das Kommen des Geistes geschah | ||
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