Romano Guardini Online Konkordanz
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das Licht, dessen Lob vorhin gesungen worden, in mir aufgeblüht. Jenes Leben, das in alle Ewigkeit währen soll, hat in mir begonnen. Als ich zum Brunnen der Wiedergeburt getragen wurde, war ich ein unmündiges Kind. Damals wurde ich gefragt: »Was begehrst du? und »Wiedersagst du?« und »Glaubst du?« - aber andere mußten für mich antworten. Jetzt will ich bestätigen, was sie damals gesprochen haben und sagen: »So sei es; ich stehe dazu.« Damals habe ich das Leben Christi ins Innerste meines Wesens, in die Seele meiner Seele empfangen. Nun nehme ich an, was daraus folgt: einer zu sein, der nicht nur als Mensch, sondern als Versiegelter des Herrn lebt.
Das ist groß, aber auch schwer. Ich will euch nicht zureden. Jeder soll sich selbst fragen, ob er das will. Die Stunde der Geschichte, die wir durchleben, ist so geartet, daß wahrlich jeder sich fragen muß, ob er das will. »Will ich ein Dasein haben, das so ganz auf Hoffnung gestellt ist? Will ich ein Leben führen, dessen Richtung über alles hinausgeht, was wir sehen und messen und beweisen können?«
Jeder tut sein Werk in der Welt und wünscht, daß es gelinge; trotzdem hat das Wort »Erfolg« für den Christen einen anderen Klang. Für den, dem nur die Welt gilt, muß der Sinn des Daseins im Erfolg liegen. Wenn nicht heute, dann morgen; wenn nicht für mich, dann für das nächste Geschlecht - einmal muß der Erfolg kommen, sonst haben Sein und Schaffen keinen Sinn. Der Christ denkt nicht so. Über allem irdischen Erfolg steht ihm ein anderer. Er tut sein Werk auf Hoffnung. So treu er arbeitet, so kräftig er zugreift - letztlich meint er damit Gottes Reich. Nie erschöpft sich sein Wollen im irdischen Werk; immer sinnt er darüber hinaus. So muß er in Kauf nehmen, daß er immer wieder als Tor erscheint. Auch er sucht den andern Menschen; aber hinter dessen Sichtbarkeit das Kind Gottes. Auch er will sich selbst, aber darin jenen, der »einst offenbar werden soll«, und dem jetzt Schwäche und Sünde widersprechen. So muß er vertrauen, daß vor Gott alles mehr ist, als es jetzt erscheint - auch er selbst. Glaubend muß er sich im eigenen Sein auf ein anderes berufen und ausharren.

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