Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 274> 


108.
Brief vom 13.03.1928, Potsdam.
Potsdam 13.3.28
Lieber Josef
Du bist nun schon eine lange Reihe von Tagen hier weg. Aber es ist mir ganz gegenwärtig, daß Du hier warst, und ich möchte Dir sagen, daß ich froh darüber bin. Dein Hiersein ist wohltätig gewesen für vieles. Mir hast Du, wie nun schon so manches Mal, eine Richtung gegeben, die auch im Wandel der inneren Stimmungen lebendig bleibt. Und wenn Dir die Tage hier Freude gemacht haben, so bin ich darüber noch einmal froh.
Und nun bitte ich Dich sehr, Du mögest ans Wiederkommen denken. Ich weiß, was alles für Dein Gefühl sich dagegen stellen kann. Aber aus meinem besten Meinen für Dich bin ich überzeugt, daß ein solches Jahr in dieser Luft Dir gut sein wird. Und ich weiß, daß Maria das Gleiche sagen und wünschen würde.
Das Häuschen ist in vollem Durcheinander der Arbeit.*832 Die ­Dampf­heizung liegt bereits. Am Keller wird ausgeschachtet. Die Zimmerwände sind niedergelegt, und man überlegt sich, wie all der Raum=Rohstoff sich zur Wohnung gliedern wird.
Der Einzug wird später sein, als ursprünglich gedacht; Oktober. Nicht so sehr aus baulichen, als vielmehr aus anderen Gründen.
Es ist manches Schwere eingebaut in das Ganze. Und mancher Keim zu Schwerem.*833 Aber ich habe jetzt einen großen Strich gemacht, und nehme alles in Eins. Ich hoffe, Gott wird es gut werden lassen.
Vergangene Woche war ich in Köln und Aachen.*834 Die Sache war insofern äußerlich etwas schwierig, als ich zu Vorträgen und vielen Besprechungen noch die Grippe hatte. Und innerlich deshalb, weil so manches zum Austrag kam, was sich im Gang der letzten Jahre zwischen mir und den Freunden im Westen angesammelt hatte.*835 Nun ist Klarheit und Nähe, und ich bin froh darüber.

832 In Charlottenburg, Sophienstr. 5/4.
833 Das Verhältnis zu Fanny Kempner sollte sich als schwierig erweisen; Guardini zog auch zwei Jahre später wieder aus. Vgl. Br. 138.
834 Daten und Vorträge sind bisher nicht rekonstruiert.
835 In Aachen lebten Gerta Krabbel und Rudolf Schwarz, außerdem die Künstler der Aachener Kunstgewerbeschule, die bei der Gestaltung der Kapelle auf Burg Rothenfels mitarbeiteten: Anton Wendling, Hein Minkenberg, auch Maria Eulenbruch. - Guardini war bereits zur Tagung des katholischen Akademikerverbandes Anfang August 1926 in Aachen gewesen (BL 112).

 < Seite 274>