Romano Guardini Online Konkordanz
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Vorbemerkung: Dieser Brief wurde in der letzten Zeit der Weimarer Republik geschrieben und nimmt deshalb auf die besonderen Fragen des Mißbrauchs staatlicher Autorität und staatsbürgerlichen Gehorsams in den Jahren seit 1933 nicht ausdrücklich Bezug. Seine Gedanken über die Grundlagen wahrer Demokratie sind aber unverändert gültig und gerade heute zeitnah.
I.K.

Wenn wir uns einmal umhören, die meisten stehen dem Staat ganz fremd gegenüber. Manchen ist er ein großes Gehäuse, mit allerlei Abteilungen. Darin gehen Leute herum, treiben ihre Geschäfte, haben ihre Kurzweil, leben und sterben, und kümmern sich nicht weiter um das große Haus, als daß sie bezahlen, was gefordert wird, damit sie darin wohnen können. Das Haus aber steht „von selbst”. Für andere ist „Staat” soviel wie Beamten, Behörden, alle jene, die etwas zu sagen haben. Der Rest hat guter Staatsbürger zu sein, das heißt zu tun, was die Behörden anordnen. Und wieder andere empfinden den Staat als feindliche Macht; als etwas, das ihnen Gewalt antut, ihre Freiheit beeinträchtigt, ihren Besitz schmälert. Sie stehen in einem seltsamen Kriege mit ihm, suchen sich seiner zu erwehren, und halten ihm gegenüber Dinge für erlaubt, die sie sich sonst sehr zum Vorwurf machen würden ...
Überlegen wir es recht - ist solch ein Staat nicht eine schlimme, ja eine lächerliche Sache? Steht da, und

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