Romano Guardini Online Konkordanz
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(1,2) Im Brief an die Epheser heißt es: »Ich habe also von dem Glauben an den Herrn Jesus gehört, der bei euch ist, und von der Liebe zu allen Heiligen; darum [bitte ich Gott] ... daß er die Augen eures Herzens erleuchte, damit ihr inne werdet, welches die Hoffnung seiner Berufung ist, welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes bei den Heiligen, und welches die alles Maß übersteigende Größe seiner Macht an uns.« (1,15–19) So könnten noch viele Stellen angeführt werden; aber schon diese haben wohl gezeigt, daß im Neuen Testament das Wort »die Heiligen« einfachhin jene meint, die an Christus glauben, getauft sind und sich bemühen, aus diesem Glauben heraus zu leben.
Dieser Unterschied im Sprachgebrauch ist merkwürdig, und wir wollen ihm nachgehen.

I.
Wir verbinden mit dem Worte »die Heiligen« die Vorstellung einer Ausnahme; das Neue Testament hingegen meint damit die Christen überhaupt ... Allerdings trägt in ihm das Christ-sein selbst schon den Charakter der Außergewöhnlichkeit. Das hängt vor allem damit zusammen, daß der Christ sich in der ersten Zeit scharf von seiner Umgebung unterscheidet. Er steht im Bereich der alttestamentlichen oder der hellenistisch-heidnischen Welt und wird von beiden als etwas Fremdes, wenn nicht Feindliches empfunden. Das Erlebnis der Bekehrung hat ihn aus dieser Umwelt herausgehoben. Er hat sich als Erwachsener der christlichen Botschaft zugewendet und ist sich so des Unterschieds aufs nachdrücklichste bewußt geworden. Das Evangelium ist ihm wirklich Offenbarung gewesen, und etwas Neues, bisher Unbekanntes hat sich ihm erschlossen. Eine Gotteswirklichkeit, die er weder aus dem natürlichen religiösen Erlebnis noch aus der Lehre des Alten Testaments kennen konnte, ist ihm erschütternd und beseligend entgegengetreten. Staunen und Dankbarkeit erfüllt ihn, daß der Gott,

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