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Worte, was der heilige Dienst vorschreibt; die Gemeinde folgt in schauendem und betendem Mitvollzug. Was bedeuten diese stillen Augenblicke? Was fangen wir mit ihnen an? Ja, was ist überhaupt die Stille? Vor allem eines: daß wirklich geschwiegen und nicht geredet werde. Daß auch sonst kein Geräusch, weder Rücken noch Blättern, weder Husten noch Räuspern zu vernehmen sei. Wir wollen nichts übertreiben; die Menschen sind lebendig und rühren sich, und ein gezwungenes Wesen wäre nicht besser als Unruhe. Aber Stille ist eben doch Stille, und sie tritt nur ein, wenn man sie wirklich will. Es kommt darauf an, was sie einem bedeutet; danach fühlt man sich in ihr wohl oder unbehaglich. Der eine sagt: „Ich kann das Husten nicht bezwingen“, der andere: „Ich kann mich nicht so ruhig halten“ – wenn sie aber in einem Konzert oder Vortrag sind und werden gepackt, dann vergessen sie alles Husten und Rücken, im Saal entsteht etwas vom Schönsten, was es überhaupt gibt: der Raum des Lauschens, worin die wahrhaft wichtigen Dinge hervortreten. Nein, man muß die Stille ernstlich wollen und sie sich auch etwas kosten lassen; dann kommt sie. Hat man sie aber erst einmal erfahren, dann begreift man nicht mehr, wie man ohne sie bestehen konnte. seine Ausführungen mißverstanden worden sind. Diese waren offenbar nicht klar genug; da ich aber fürs erste keine Gelegenheit finden werde, sie noch einmal durchzuarbeiten, bitte ich, an dieser Stelle etwas zum Gegenstand sagen zu dürfen. Im genannten Kapitel wollte ich eine Besonderheit deutlich machen, die der heiligen Messe eignet und sich, soviel ich sehe, in keinem anderen liturgischen Vorgang findet; etwas eigentümlich Verhülltes, welches dem Geheimnis, um das es sich hier handelt, wunderbar entspricht. Dazu habe ich zwischen dem verborgenen Wesensgehalt, von dem uns die Offenbarung spricht, und der sichtbaren Erscheinung, genauer, der Grundgestalt dieser Erscheinung, wie sie vom verständnisvollen Auge aufgefaßt wird, unterschieden. Beide Momente aber schienen mir so zu einander zu stehen, daß sich bei der heiligen Messe der Wesensgehalt nicht – wie etwa bei der Taufe oder der Beichte – ohne weiteres in der Gestalt ausdrückt, sondern auch zugleich darin verhüllt. Und zwar dadurch, daß die Erscheinung der Messe in maßgebender Weise nicht von der Grundgestalt des Opfers, sondern von der des Mahles bestimmt wird. Damit sollte nichts über jene Frage gesagt sein, die in den Auseinandersetzungen mit der Reformation eine so große Rolle spielt; ob nämlich die heilige Messe an sich ein Opfer sei. Daß sie das ist, wird als selbstverständlich vorausgesetzt und auch ausdrücklich gesagt. | ||
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