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hier heraus – dennoch ist die Quelle ein Geheimnis, und wer von ihm nicht angerührt wird, hat keinen Anlaß, stolz zu sein. Wieder ist das Geheimnis da, wenn Einer ein Samenkorn auf der Hand hält und sich sagt: Das Ding wird sich rühren; aus ihm werden Wurzel und Stengel kommen, Blätter und Blüten. Die Wissenschaft kann Bände reden; sie wird das Geheimnis nie aufheben. Wem sie es aber aufhebt, den hat sie nicht klug, sondern arm gemacht. Oder das Geheimnis der Eingebung; Geschenk und eigene Leistung zugleich: wenn die Erinnerung zurückblickt, weiß sie, damals, bei der und der Gelegenheit ist die Idee in mir aufgesprungen, und ich habe gefühlt: daraus wird etwas. Das Werden hat sich dann lange hingezogen, Jahre vielleicht. Es hat Arbeit gegeben und Kampf, Geraten und Mißlingen; die Dinge sind anders geworden, als ich zuerst gedacht hatte, doch schließlich war es vollendet. Aber alles hat damals begonnen, und Keinem, der dem Werk verpflichtet ist, ob im Wort oder in der Bildung des Menschen, wird man wünschen, der Augenblick solle ihm selbstverständlich werden. Nicht zu reden von der Geburt, aus welcher ein ganzes Menschenleben mit seinem Schicksal und seinem Werk hervorgeht. Das ist ja doch das Geheimnis des Kindes: Anfangstiefe, Fülle der Zukunft, Gabe und Beginn der Lebensleistung zugleich. Unser Dasein ist aus Mächten beider Art gewoben, des Beginns und des Zusammenhangs. Unabsehlich an Zahl und unscheidbar verflochten laufen die Linien des Geschehens – überall aber durchsetzt von den Punkten des Beginnens. Immerfort geht das Dasein weiter; immerfort vollzieht sich darin aber auch, was die Sprache so tief benennt: der Ur-Sprung – ob nun eine Quelle aus der Erde kommt, ob ein Samenkorn sich öffnet, oder eine Idee aufsteigt, oder ein Menschenleben anhebt. Manche sehen nur den Fortgang und kleiden ihre Einseitigkeit in die Formel der restlosen Kausalität; aber die Welt, die sie denken, ist dürftig und bei aller Gescheitheit dumm. Andere | ||
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