Romano Guardini Online Konkordanz
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43.
Brief vom 15.02.1914, Freiburg.
15.II.14.
Lieber Josef
nun hab ich endlich Gelegenheit zum Schreiben. Mein jüngster Bruder*336 kam am Donnerstag plötzlich, und ich habe ihm die zwei Tage gewidmet. Wir sind zusammen im Schwarzwald gewesen und haben allerlei besprochen, gutes und weniger erfreuliches, wie es überall ist. Aber ich denke, es hat uns beiden gut getan.
Dein lieber Brief; ich danke Dir herzlich dafür. Mich hats trotz allem gefreut, daß Du wieder Bücherhunger hast; ist ein gutes Zeichen! So schicke ich Dir einiges. Vor allem Raabe*337; dann das Buch von Worringer über die Gotik*338. Es sind große, weite Gedanken darin, und die brauchst Du jetzt. Was es schiefes hat, wirst Du bald finden. Weiter leg ich Dir Wolframs Parzival bei.*339 Und endlich Försters »Lebensführung«.*340 Über letzteres Buch hätt ich gar zu gern Dein Urteil. Du siehst an den vielen Strichen, wie energisch es mich faßte. Ich habs immer auf dem Tisch; sehr viel verdanke ich ihm. Wie oft habe ich dabei an Dich gedacht! Aber ich traue meinem Urteil in diesen Fragen nicht ganz, hätte gern das Deine dazu. Die »Lebensführung« schenk' ich Dir. Die übrigen Sachen magst Du mir wenn Du sie gelesen, zurückschicken. Selbstverständlich stehen sie, wenn sie Dir geeignet scheinen, D. M. zur Verfügung. -
In einem Briefe nannte D. M. einmal Walter Bloem; er interessiere Dich. Gestern fand ich in der Buchhandlung sein Bild. Hier ists!*341
P. Hildebrand Billmeyer*342 hat sich bereit erklärt, das ­»geist­liche Tagebuch« durchzusehen, und, falls es ihm zusagt, es bei Herder anzubringen. -

336 Aleardo Guardini.
337 Vgl. Br. 18 und 38.
338 Wilhelm Worringer, Formprobleme der Gotik, München 1911.
339 Die reclam-Ausgabe befindet sich in der Bibliothek Mooshausen.
340 Friedrich Wilhelm Foerster, Lebensführung. Ein Buch für junge Menschen, Berlin: Reimer 1909.
341 Bloem, Walter (1868-1951), Jurist, wandte sich ab 1904 der Schriftstellerei zu und arbeitete 1911-14 als Dramaturg und Regisseur am Stuttgarter Hoftheater. Seine Erlebnisse als Offizier im 1. Weltkrieg verarbeitete der deutschnationale Schriftsteller in Erinnerungen, Tagebüchern und Romanen, u.a. Der krasse Fuchs (1910), Der Sohn seines Landes (1928) und Frontsoldaten (1930), die ihn zu einem der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit machten. - Dem Brief lag kein Bild mehr bei.
342 Benediktiner der Erzabtei Beuron; vgl. Br. 53.

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