![]() | Treffernummer: |
< | Seite 284 | > |
keine Ausnahme sein. Liebe kann einem aus lauter Bestem heraus eine Stellung anweisen, die unwahr und peinlich ist. Vielleicht ist es Dir möglich, hier etwas zu sagen. Hab Dank dafür! Schreibe mir bitte, ob Du diesen Brief erhalten hast. Und verarge mir nicht die Bitte, Du mögest ihn nach Lesung vernichten. Und Dir wünsche ich schöne, reiche, frohe Tage. Ich bin so froh, daß Du dort bist und es schön hast. Auf gutes Wiedersehen, liebster Freund. Viele Grüße an Frau Kempner. Und denke auch manchmal an die Meinen. Es ist vieles sehr schwer. Dein Romano. 117. Brief vom 24.10.1928, Berlin-Charlottenburg. Berlin 24.10.28 Lieber Joseph ich unterbreche meine Durcharbeitung des Nachrufes für Maria*862, um Dir zu schreiben. Es ist still. Im Haus schläft alles. Von fern kommt die Brandung der Stadt her, wirklich wie das dunkle leise Dröhnen des Meeres. Es ist der Ton, der hier in alles geht. Er wird mir symbolisch, für vieles. Das Haus ist schön, mit wunderbarer Liebe alles bedacht und überwacht.*863 Und Du sollst wissen, liebster Freund, daß alles gut steht. Es hat lange, oft recht schwere Gespräche gegeben; aber ich glaube, sie haben geholfen. Was nicht zu ändern ist, steht da und ist ruhig gesehen und aufgenommen. Und ich habe die Zuversicht, daß anderes wieder zu ändern ist; zum wenigsten langsam zu versöhnen. Ich danke Dir recht von Herzen für Deine große Liebe und Selbstvergessenheit. Und vielleicht freut es Dich zu wissen, daß Du an Fr. K. eine Freundin von einem Verstehen und einer Kraft des Schätzens gewonnen hast, wie sie gewiß selten ist. 862 Vgl. Br. 112, 115, 116. 863 Guardini war Anfang Oktober 1928 in das von Fanny Kempner zur Verfügung gestellte Haus in Charlottenburg, Sophienstr. 4/5 umgezogen. | ||
< | Seite 284 | > |