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Ich wünschte so herzlich, daß Dir ein wenig leichter würde.*813 Ich meine damit eigentlich gar nicht das eigentliche Leid; das ist etwas für sich. Aber den Druck auf dem Gemüt. Ich weiß ja auch ein wenig davon. Diese Tage haben, in einem nicht angenehmen Zusammentreffen vieler unguter Dinge, auch eine immer wieder aufsteigende Melancholie gebracht. Wer sie nicht selbst durchgemacht hat, weiß nicht wie schlimm sie ist. So wünschte ich vor allem, die behöbe sich. Ists so? Kannst Du ein wenig arbeiten? Wenns irgend geht, nimm doch meinen N. T. Aufsatz durch.*814 Ich bin auch ein bischen selbstsüchtig dabei, denn ich möchte ihn bald veröffentlichen, und weiß doch nicht recht, ob es damit so geht. Meine Absicht wäre, einmal außerhalb der geprägten Schemata zu sehen, und auch dem Nichttheologen zu zeigen, was eigentlich Theologie ist. Vor einigen Tagen kam eine - ganz vertrauliche - Anfrage, ob ich wohl an Stelle des wahrscheinlich nach Bonn gehenden Breslauer Dogmatikers B. Geyer*815 die Dogmatik in Breslau übernehmen wolle. Es lockt natürlich manches dazu; für die jungen Theologen arbeiten zu können; dann der Zusammenhang mit einer richtigen Fakultät u.s.w. Aber ich glaube doch, ich muß hierbleiben. Hier ist eine Arbeit begonnen, die muß weitergeführt werden. Und die Freiheit der Stellung wiegt die Zusammenhanglosigkeit auf. Im Häuschen hier ist ein sehr kleines, aber nettes Gastzimmerchen. Das wartet auf Dich. Aber wir reden ja noch eingehend mündlich über alle Pläne. Auf gutes, baldiges Wiedersehen Joseph, Romano. Schreibpapier geht morgen an Dich ab. 813 Im Blick auf den Tod von Maria Knoepfler (? 17. August 1927). 814 Vgl. Br. 99. 815 Bernhard Geyer (1880, Alme/Westfalen, bis 1974, Bonn), katholischer Theologe, Professor für Dogmatik in Breslau (1921-1927) und Bonn (1927-1949), ab 1931 Leiter des Albertus-Magnus-Instituts und der Albertus-Magnus-Gesamtausgabe, Apostolischer Protonotar; Werke (u.a.): Peter Abaelards philosophische Schriften, 4 Bde., 1919-1933; Die patristische und scholastische Philosophie (Friedrich Ueberweg, Grundriß der Geschichte der Philosophie II), 1927. | ||
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