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122. Brief vom 07.02.1929, Berlin-Charlottenburg. Charlottenburg 7.2.29 Lieber Joseph Ich bin zwar ein wenig bange, Dir als zudringlich zu erscheinen. Aber ich meine es doch so gut, daß mir scheint, ich kann es riskieren. Willst Du nicht wenigstens zu einem kurzen Besuch herkommen? Das Semester geht nun zu Ende. Aller Voraussicht nach am [?]*876 März verreise ich - mit Frau K; nach Italien - so sind noch etwa 4 Wochen. Siehst Du, ich hoffe mir so manches Schöne für Dich. Berlin bietet so unglaublich viel Anregendes. Und wie Du Frau K. und mir willkommen bist, weißt Du. Ich komme auch deshalb darauf zurück, weil ich kaum glaube, daß die Ferien für einen Besuch in Mooshausen Zeit haben, und ich möchte doch so gar gern mit Dir über viele Dinge, theologische vor allem, reden. Ich hatte mir unsere Jahres=Besuchsordnung so gedacht, daß im Herbst ich zu Dir kommen würde, und im Spätwinter Du her nach Berlin. Auf die Weise würden wir zweimal im Jahre zusammen sein, und jedesmal da, wo es gerade besonders schön ist. Frau K. hat mit mir dieser Tage gesprochen, und gemeint, Du wollest wohl deshalb nicht gern kommen, da Du annehmest, es sei da zwischen ihr und mir manches, was aus sich selbst sich ordnen müsse, und wollest da lieber nicht eingreifen. Ich weiß nicht, ob Du so denkst; auf jeden Fall wollte ich Dir sagen, das brauche Dich gewiß nicht fernzuhalten. Gestern meinte Fr. K., ich solle Dir sagen, daß in aufrichtigem gegenseitigem Bemühen alles einer guten Lösung entgegengehe, und es ist auch so. Du aber bedeutest für sie so viel, und sie fühlt sich Dir so in den allerwichtigsten Dingen verbunden - ich mag nicht gern davon schreiben; sagen würde ich mehr - daß sie Deinen Besuch herzlich wünscht. Nun habe ich alles gesagt und hoffe sehr, Du wirst nicht böse sein, sondern zustimmen. Wenns nicht anders ist, sind schon 14 Tage, ja auch 8 Tage schon etwas; und ich erinnere mich mit Freude, wie die paar Tage 876 Durch Lochung unleserlich. - Die gemeinsame Reise ist festgehalten in dem Aufsatz »Reise nach Sizilien. Tagebuch«, in: SchG 9 (1929), 445-469 (M 294) und gekürzt in dem Fanny Kempner gewidmeten Buch In Spiegel und Gleichnis, Mainz (Grünewald) 1932. | ||
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