Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 294> 


125.
Brief vom 07.03.1929, Berlin-Charlottenburg.
[Maschinenschriftlich,mit handschriftlichen Verbesserungen]
Charlottenburg, den 7. März 29.
Sophienstr. 4/5
Lieber Joseph!
Ich habe heute Deinen Brief erhalten. Ich bin nicht gesonnen, dem Laros'schen Einwand so leicht nachzugeben.*887 Wenn ich Dich gefragt hatte, so geschah das natürlich nicht, um zu wissen, wie Du zu dem Nachruf und seiner Veröffentlichung an sich stehst. Das wusste ich ja. Ich wollte sicher sein, Deinen Standpunkt mitzuvertreten, wenn ich Laros gegenüber den Abdruck durchzusetzen suchte. Und ich habe Dich gefragt, ob Du gegebenenfalls einverstanden wärest, ihn an das Ende des zweiten Bandes zu setzen, um damit den Punkt festzusetzen, bis zu dem ich Laros gegenüber nachgeben würde.
Gib mir also bitte hiezu noch einmal Antwort.
Aus meinem Brief ersiehst Du, daß ich zunächst Laros zu verstehen gebe, so einfach gehe die Zurückweisung nicht. Der nächste Schritt würde sein, dass ich ihm sage, ich würde die Zurückweisung als eine ausgesprochen unfreundliche Handlungsweise auffassen müssen. Was nachher zu erfolgen hätte, müsste man sehen. Das alles setzt aber, noch einmal gesagt, voraus, dass Du einverstanden bist, dass ich als Mindestforderung den Abdruck im zweiten Band durchsetze.
Den Passus über das Gerechtigkeitsgefühl der Leute würde ich doch nicht streichen. Es kommt ja schliesslich nicht auf die Leute, sondern auf Maria an. Das Ganze ist exakte historische Wahrheit, und aus ihr tritt eine so seltene Eigenschaft wie die Gerechtigkeit so schön hervor, dass ich diesen Zug, wie gesagt, nicht gern missen möchte.
Ueberhaupt, bin ich der Meinung, wollen wir doch keinen Zentimeter mehr und früher zurückgehen, als unbedingt notwendig ist. Aber so denkst Du ja schon ganz von selbst.

887 Vgl. Briefe 124 und 126ff.

 < Seite 294>