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Geschichte und Freiheit. Ansprache bei der Gedächtnisfeier für Romain Rolland in der Münchener Universität am 27. Januar 1952 [1952] Verehrte Frau Rolland, meine Damen und Herren! Zu dem Anlaß, der uns hier zusammengeführt hat, sind in den voraufgegangenen Ansprachen bereits so wichtige und schöne Dinge gesagt worden, daß es mir schwerfällt, ihnen etwas Sagenswertes hinzuzufügen. Ich möchte es aber doch versuchen – in der Weise, wie das ein Philosoph zu tun pflegt, der ja auch angesichts des Aktuellen bemüht sein muß, einen Blick ins Wesentliche zu gewinnen. Man hat unsere Epoche als die der großen Frontenbildungen bezeichnet, und hat damit in vielem recht. Überall schließen sich weite Länderkomplexe zusammen. Umfassende Wirtschaftssysteme bilden sich. Typische Anschauungen von der Welt und vom Menschen treten hervor und suchen die Erde zu erobern. Das muß wohl auch so sein; denn die Aufgaben, die dem Menschen durch die Entwicklung der Wissenschaft, der Technik und des Staatswesens gestellt werden, sind so gewaltig, daß die Kraft kleinerer Gruppen sie nicht bewältigen kann. Es ist nicht zufällig, daß in unserer Zeit Worte geläufig geworden sind, welche das Umfassende der Menschenaufgabe ausdrücken, wie die des „Globalen“ oder des „Planetaren“. Wie weit die Zusammenfassung gehen wird, ist eine andere Frage. Manche meinen, es handle sich um zwei Gruppen. Zwischen ihnen müsse es zu einer endgültigen Auseinandersetzung kommen, aus welcher dann die Einheit der Erde entstehen werde – falls es nicht gelinge, ein sehr schwankendes und doch dauerndes | ||
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