Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 181> 


Der heilige Franziskus
Zur siebenhundertsten Wiederkehr seines Todestages

I.
Ich bin beauftragt, das Wort des Gedenkens für Franziskus von Assisi zu sprechen, dessen Todestag in diesem Jahre zum siebenhundertsten Male wiederkehrt, und möchte es so tun, wie es einzig seiner Größe entspricht: ohne alle Absicht. Ich bin ihm nachgegangen, in dem Lande, wo er gelebt hat und in der Kunde, die von ihm überliefert worden ist. Ich habe mich bemüht, offen zu sein, und wie ich seine Gestalt gesehen habe, will ich sie auch darstellen. Es wird nicht vom »heiligen Franz und unserer Zeit« die Rede sein, sondern nur von ihm. Ebendarin werden wir aber auch jenes Wort vernehmen, das in ihm an uns selbst gerichtet ist.

II.
Wenn man von Padua südwärts fährt, über Ferrara und Bologna; dann den Apennin bis zur Paßhöhe hinaufsteigt, jener unvergeßbaren Stelle, wo sich plötzlich, ganz von Licht überflutet, die toskanische Ebene öffnet; darauf nach Pistoia und Florenz hinab, an Arezzo und den Höhen von Cortona vorbei und den Trasimenischen See entlang nach Perugia - dann tritt einem durch all die Schönheit und die Fülle der Geschichte etwas Besonderes in den Blick. Von Bologna an wandelt sich langsam die Form der Bauten. Häuser, Gehöfte, Städte bekommen einen anderen Charakter. In Venetien blüht das Barock. Die Art, wie die Flächen gerandet sind; Fläche gegen Fläche, oder die Masse eines Hauses gegen die eines anderen steht, hat eine lässige Weichheit. Alles ist malerisch, und trotz der Klarheit der Anlage liegt über den Formen

 < Seite 181>