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Ansprache am Fronleichnamsfest *42

Wir begehen heute das Fest des heiligen Altarssakraments. Das erste und eigentliche steht in der Karwoche: am Gründonnerstag. Aber es ist, als ob in dem Fest des Gründonnerstags, der umschattet ist von dem Dunkel des Kreuzes, etwas nicht recht herauskommen könnte, was der Glaube in diesem Geheimnis immer gefunden hat, nämlich die große Freude der Natur über die Erlösung ihres Lebens. Was ist das für eine Freude?
Sehen Sie, wenn man einen heutigen intelligenten Menschen fragen würde: Was ist eigentlich Religion?, was würde der uns aus seinem Empfinden heraus sagen? Vielleicht zuerst: es ist schwer zu sagen, man fühlt, daß ein Geheimnis hinter all den Dingen ist, auch hinter dem eigenen Leben. Wenn man dem nachgeht, führt es uns zu einem unendlich heiligen Wesen, das bleibt, während alles andere vergeht. Und er würde sagen, in mir ist auch etwas Bleibendes, und das sucht und denkt dorthin. Das andere zerfällt. Aber dieses Innerste, das bleibt, wird einmal sich vereinigen mit dem unendlichen Wesen, das wir Gott nennen. Das ist ein schöner Gedanke. Aber ist es das, was die christliche Botschaft meint? - Nein, es erreicht nicht den Kern dieser Botschaft.
Was ist das, woran sich die christliche Botschaft wendet? Es ist nicht die Seele, sondern der Mensch! Wessen Heil wird gewirkt in der Erlösung? Nicht das Heil der Seele, sondern des Menschen. Als Gott schuf, hat Er gesagt: »Lasset Uns den Menschen machen!« Und Ebenbild Gottes ist nicht die Seele, sondern der Mensch mit Leib und Seele.
Und als die Erlösung kam, wie ist die denn geschehen? Da hat Sich der Sohn Gottes entschlossen, in die Welt einzutreten. Wie denn? Er ist Fleisch geworden, nicht nur Seele. Und als Er Sein Werk vollendet hatte, da hat Er auf Erden nicht den zermalmten Leib zurückgelassen, sondern hat den Leib neu zu eigen genommen in einer göttlichen Weise und ist in den

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