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Zur Theologie der Welt Vorbemerkung Die Frage, wie die Welt im Bewußtsein des gläubigen Christen stehe, ist nicht leicht zu beantworten. Schon die Weltvorstellung des allgemeinen Bewußtseins ist sehr komplex, denn sie enthält Residuen einer langen geschichtlichen Entwicklung, die zu keiner wirklichen Einheit verarbeitet sind. Bei dem Menschen, der an die biblische Offenbarung glaubt, kommt aber noch eine weitere Schwierigkeit hinzu. Er teilt die Anschauungen seiner Zeit, wie er sie in der Schule in sich aufgenommen hat und im allgemeinen Leben immer neu aufnimmt; sein Glaubensbewußtsein hingegen ist durch die Vorstellungen der Heiligen Schrift bestimmt, die in entscheidenden Punkten anders lauten, darüber hinaus aber in allem einen anderen Charakter tragen. Die beiden Gedankengruppen sind nur selten zu einer wirklich durchdachten Einheit geworden; bestehen vielmehr nebeneinander, oft in künstlich getrennten Bereichen isoliert, falls sie nicht einander beunruhigen und zu Krisen Anlaß geben. Um einen klareren Blick zu gewinnen, versuche ich, die Linie zu zeichnen, auf welcher die Vorstellung von der Welt sich entwickelt hat *1. Die geschichtliche Entwicklung der Weltvorstellung 1. Damit sie nicht allzuweit zurückführe, soll sie mit dem mythischen Bewußtsein beginnen. *1 Der vorliegende Versuch wurde erstmals vorgetragen auf dem Convegno del Centro di studi filosofici tra professori universitari, Gallarate 1959. | ||
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