![]() | Treffernummer: |
< | Seite 366 | > |
Fritz Klatt: Sprache und Verantwortung Nachwort [1960] Es hat mich sehr berührt, als Frau Lis Klatt mich aufforderte, dem eben erscheinenden Buch ihres Mannes, „Sprache und Verantwortung“, einige Worte mitzugeben. Mit einemmal war die Jugendbewegung wieder da, die vor mehr als einem halben Jahrhundert begonnen hatte, und von deren bündischem Leben in der Barbarei der braunen Jahre das meiste untergegangen war. Ich dachte an die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Strömungen, Bünde und Gruppen, an die Welt der Wanderungen, der Lieder, der Arbeitskreise und Feiern; an die tiefen Unterschiede und harten Auseinandersetzungen, die aber alle von etwas Gemeinsamem umgriffen waren, das man als das Neue und Zukunftbringende empfand. Ich dachte an die schweigsame und doch so wirkmächtige Gestalt von Fritz Klatt, den ich nur einmal gesehen, aber dann nicht mehr vergessen habe. Mit der Gedankenwelt der freideutschen Jugend, zu deren führenden Geistern er gehörte, habe ich manchen Strauß ausgefochten, so war es mir zweifelhaft, ob denn gerade ich es sei, der das Buch den heutigen Lesern vorstellen dürfe, denn so manchem, was er sagt, müßte ich eigentlich widersprechen. Aber nicht das soll hier den Ausschlag geben, vielmehr die Erinnerung an das so lebendig Gemeinsame: den Sinn für das Menschlich-Wesentliche, die Offenheit der Begegnung, den Reichtum erzieherischer Begabungen. Dazu das Bewußtsein, wie tief die aus der Jugendbewegung hervorgegangenen Impulse auf den verschiedensten, besonders pädagogischen Gebieten gewirkt haben und weiterwirken, auch an Stellen, wo der Zusammenhang nicht mehr gesehen wird. Fritz Klatt war einer von denen, die den tiefsten Einfluß ausgeübt haben. So manche heute selbstverständlich gewordenen | ||
< | Seite 366 | > |